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.:Auszeit:.

Kurz und schmerzlich: am Montag war das Vorgespräch in der Klinik, am Dienstag habe ich mich entschieden, und in einer Woche werde ich eintreten. Lustig, wo ich doch noch vor einem Monat mit sicherer Überzeugung sagen konnte, nie wieder in eine Klinik zu gehen. Aber wenn ich jetzt nichts ändere, liege ich in schätzungsweise einem halben Jahr unter der Erde. Wie optimistisch sich das anhört! Die Enttäuschung: nein, ich hänge nicht plötzlich wahnsinnig am Leben. Aber es ist eben noch zu früh zum Sterben.
Wie dem auch sei, ich werde jedenfalls für längere Zeit abwesend sein. Auf Wiedersehen virtuelle Welt. Bis irgendwann.

17.6.09 09:49


.:Semesterprüfungen und Napoleon:.

Seit heute ist es wieder so weit: ich schreibe Semsterprüfungen. Vor etwa eineinhalb Stunden habe ich die erste abgegeben [Englisch], die ich als sehr leicht empfunden habe. Aber Englisch war auch noch nie mein Problem. In ungefähr zweieinhalb Stunden schreibe ich dann die nächste, die Deutschprüfung. Auch diese wird mir wahrscheinlich keine Probleme bereiten. Aber ab morgen ist die lockere Zeit vorbei - Chemie, Geographie und Geschichte stehen auf dem Plan [wobei ich eigentlich nur vor der Chemieprüfung Angst habe], bevor ich dann am Donnerstag noch die letzten Prüfungen schreibe, Volkswirtschaft, Mathe und Italienisch. Und dann? Hoffen, dass ich bestanden habe natürlich. Ich habe gute Vornoten, um nicht zu sagen sehr gute, aber leider nicht in allen Fächern; die Chemie- und die Bioprüfung habe ich verpasst [weil der Körper nicht immer so mitspielt, wie der Kopf es gerne hätte, besonders dann nicht, wenn man an einer Essstörung leidet].  Unwichtig - ich habe keine andere Wahl, als zu bestehen. Einerseits, weil ich keine Lust habe, das zweite Semester ein drittes Mal zu besuchen, und andererseits auch, weil mein überdurchschnittlich ausgeprägter Leistungsdrang es nicht zulassen würde, dass ich durchfalle. Es sei denn, mir kommt 'etwas' dazwischen, meine Essstörung nämlich, die mich mittlerweile so sehr geschwächt hat, dass ich heute Morgen einen fast zwanzigminütigen Kampf mit meinem Kreislauf führen musste, bis ich endlich aufstehen konnte, ohne gleich wieder unfreiwillig auf dem Bett sitzen zu müssen.
Und damit wären wir auch schon beim nächsten Thema: Klinik. Ich weiss, ich  habe mir und allen anderen geschworen, nie wieder in eine Klinik zu gehen. Aber nun stehe ich in Konflikt. Ich habe nämlich meinem Pferd geschworen, ihn niemals, egal was geschehen wird, im Stich zu lassen [und ich habe mir selbst auch geschworen, die Schule mit dem bestmöglichen Abschluss zu beenden]. Und wenn ich noch länger so weitermache wie bisher [hungern, essen, kotzen, essen, kotzen, essen, kotzen, hungern und so weiter], kann ich die letzten beiden Punkte definitiv vergessen. Das ist allerdings nicht mal die ausschlaggebende Motivation; ich will nämlich auch nicht mehr. Nicht, dass jetzt jemand denkt, ich wäre schon wieder suizidal [war das jemals weg?] - ich will nur so nicht mehr weiter existieren. Aber daheim habe ich keine Chance. Ich komme nicht von der Essstörung weg, sie ist stärker als ich, und jedes Mal, wenn ich gegen sie kämpfen will, reisst sie auf unglaublich überzeugende Art und Weise meine Gedanken an sich wie Napoleon die Macht in Frankreich. Und sie will mehr, immer mehr [auch hier passt der Vergleich mit Napoleon], wahrscheinlich so lange, bis sie mich komplett eingenommen hat. Vom Offizier zum Konsul, vom Konsul zum ersten Konsul, dann zum Konsul auf Lebzeit und schliesslich zum Kaiser, zum Alleinherrscher über ein ganzes Volk.
Tragische Prognose. Aber, und jetzt kommt einmal mehr ein grosser Aber, wir wissen auch, wie die Geschichte mit Napoleon Bonaparte endetet [jedenfalls sollte man das wissen]; Napoleon verlor seine Macht und wurde ins Exil verbannt. Gut, er kam zurück, aber was sind schon diese hundert Tage im Vergleich mit der ganzen französischen Geschichte? Und ich bin müde genug, um Parallelen zu suchen, Parallelen zu mir und meine Essstörung. Denn es ist an der Zeit, die Diktatur zu beenden, die Krankheit ins Exil zu schicken. Töten kann ich sie nicht, wahrscheinlich will ich es auch nicht [Napoleon wurde auch nicht umgebracht]. Aber sie muss ihre Macht einbussen, muss bekämpft werden, denn ich will wieder Demokratie im Kopf, Schluss mit der Monarchie. Und was taten die Franzosen, um dieses Ziel zu erreichen? Sie verbündeteten sich, schlossen sich zu tausenden zusammen und kämpften. Alleine hätte niemand eine Chance gehabt. Und so geht es auch mir. Ich brauche Hilfe. Eine Umgebung, in der ich die Chance habe, zu kämpfen. Russland war zu viel für die französische Armee, zu kalt, weil sie erfroren und doch zu warm, weil die Flüsse nicht vereist waren und somit keine Fluchtwege bestanden. Was tun? Standortwechsel. Die einzige Chance. Und ich werde sie nutzen, werde wieder in eine Klinik gehen. Etwas weiter weg von zu Hause, aber nicht aus der Welt. Momenstan stehen zwei Kliniken zur Auswahl, wobei ich einen klaren Favoriten habe. Sicher ist noch nichts, nur dass ich diesmal die Chance nutzen werde. Warum? Weil ich [noch - es käme sicher so weit, wenn ich nichts ändern würde] nicht in die Klinik muss, sondern will. Niemand zwang die Franzosen zur Revolution. Sie wollten die Veränderung. Auch wenn sie wahrscheinlich wussten, wie hart und steinig der Weg zum Ziel sein würde.

9.6.09 11:09


.:Was auch immer:.

Hinter mir liegt gerade eine Geographieprüfung über antropogene Klimaveränderung und Plattentektonik. Ich war nach etwas weniger als dreissig Minuten fertig - keine Ahnung, ob das ein gutes Zeichen ist. Aber vorerst ist mir das relativ egal; ich habe alles gewusst [und hoffe, dass mein Wissen auch das richtige war] und bin froh, dass das Lernen sich gelohnt hat. Und wenn wir schon beim Thema Schule sind: ich werde in etwa zwanzig Minuten meine Geschichtsprüfung von vor zwei Wochen zurückbekommen. Früher war ich immer schrecklich nervös vor solchen Ereignissen [komischerweise nie vor dem Schreiben der Prüfung, sondern nur vor dem Ergebnis], aber heute geht das alles an mir vorbei, vollkommen emotionslos. Ich kann mich nicht mehr freuen, wenn ich gut abgeschnitten habe, wahrscheinlich könnte ich in jedem Fach Klassenbeste sein und es würde mich unberührt lassen. Warum? Weil ich nicht denke, dass ich besondere Leistungen erbringe, weil ich davon überzeugt bin, überfall sehr gut sein zu müssen. Wer das von mir verlangt? Meine Eltern nicht, ich stehe und stand nie unter Leistungsdruck von zu Hause aus. Meine Mitschüler ebenfalls nicht, die sehen gute Leistungen eher als Anlass für Neid und Missgunst, zumal der geschätzte Durchschnittsintelligenzquotient irgendwo zwischen null und zwanzig zu liegen scheint [es werden natürlich nicht die Gehirne aller mit einem uralten Zweitaktmotor angebtrieben, aber die Denkbuchstabierer sind doch eindeutig in der Mehrzahl]. Nein, das liegt alles an mir selbst. Zum einen bin ich durch die Essstörung sowieso nicht mehr in der Lage, irgendwas zu fühlen, und ausserdem fehlt mir auch einfach die Fähigkeit, eigene Leistungen anzuerkennen - schliesslich müsste ich dann ja etwas Positives an mir selbst sehen. Unmöglich, absolut undenkbar. Ich und gut oder sogar sehr gut? Klar, und Vanilleeis schmeckt am besten mit Tomatensauce.
Und nun entschuldigt mich, ich muss noch die Ironie ausschalten, bevor die nächste Lektion beginnt.

13.5.09 10:15


.:Wie immer:.

Der Titel sagt es schon - alles ist wie immer. Und doch viel trauriger und dunkler als sonst. Und leer, so unglaublich leer. In einer Woche ist das Thearpieprogramm in der Tagesklinik offiziell abgeschlossen. Ich habe noch zwei Gruppengespräche vor mir, auf die ich so gar keine Lust habe. Die Einzeltherapie hat sich ohnehin erledigt, weil ich keine Therapeutin mehr habe. Schade? Was weiss ich. Es ist eben so, auch wenn ich sie zum Schluss wirklich mochte. Nun ja, wie dem auch sei. In etwas mehr als einer Woche habe ich dann endlich wieder einen Termin bei meiner Psychiaterin. So krank es klingen muss, aber ich freue mich darauf. So viel also zur Therapie. Vielleicht interessiert es jemanden, ob mir die Intensivbehandlung etwas gebracht hat [ich werde es auch erzählen, wenn dies nicht der Fall ist]. Nun, nicht wirklich. Ich hatte vor zwei Wochen ein paar Tage mit nur einem Essanfall, aber das ist wieder vorbei, seit ich mich so enorm mit meiner Mutter gestritten habe, dass wir praktisch gar nicht mehr miteinander sprechen. Der Grund war eigentlich der, dass sie mir ständig erzählt, wie knapp das Geld doch ist, wie gross ihre Zukunftsangst mittlerweile ist, dass sie Schulden hat wegen meiner Fresserei - und sie hat mir tatsächlich unterstellt, ich würde Lebensmittel stehlen, und zwar nicht aus unserem Kühlschrank, sondern aus dem Geschäft. Ladendiebstahl für die Fressattacken. So weit ist es also gekommen - meine eigene Mutter denkt von mir, ich würde eine Straftat begehen, um meine Sucht zu stillen. Ist das nicht toll? Da fühlt man sich so richti geliebt und verstanden [hier sei angemerkt, dass ich noch nie irgendwas gestohlen habe, niemals, und das wird auch so bleiben]. Ich wäre so gerne wütend geworden, hätte ihr so gerne an den Kopf geworfen, dass sie wohl nicht mehr ganz dicht zu sein scheint und jetzt vollkommen durchdreht, aber ich konnte nicht. Ich konnte gar nichts dazu sagen. Herrlich, wie leicht es doch ist, den kleinsten Therapieerfolg in einer Minute zu zerstören. Ich hatte nämlich gerade damit angefangen, allmählich und sehr zaghaft vertrauen zu fassen, über meine Gefühle zu sprechen und vor allem, sie zuzulassen. Und dann sowas. Ein Knall, ein harter Schlag vor den Kopf, und ich bin ausgeschaltet, errichte in Sekundenschnelle wieder die altbekannte Mauer vor meinem Inneren, verstecke mich dahinter und lasse niemanden mehr an mich ran. Und vor allem nicht meine Mutter. Ich habe ihr nur noch gesagt, dass sie selbst Schuld sei an der finanziellen Situation [und indirekt auch an meiner Kotzerei], weil sie mir ja ständig wieder Geld gebe, damit ich einkaufen könne. Stimmt ja auch. Nur, dass sie mich dann beschuldigt hat, ich würde ja genau wissen, wie ich sie rumkriegen könne, sie also ausnutzen mit meiner 'perfiden Art'. Ja, und wenn schon? Sie ist es, die immer wieder nachgibt. Sie isr dermassen Co-abhängig, dass sie wahrscheinlich für mich zum Drogenhändler rennen würde, wenn ich heroinsüchtig wäre. Aber das reicht nun. Ich will nicht weiter darüber nachdenken, will nur noch schlafen [welch wunderbare Ironie - ich kann nicht schlafen, nach wie vor] und meine Ruhe haben. Wie schön, dass ich mit dieser Frau unter einem Dach leben muss. Und wo wir schon dabei sind: ich wünsche ihr einen wundervollen Muttertag. Den Teufel werd ich tun.
Ach ja, bevor ich es vergesse: mein Körper scheint so langsam doch nicht mehr alles mitzumachen. Ich hatte am Montag einen Arzttermin, wir haben die Blutwerte besprochen. Sie sind katastrophal schlecht, so mies wie noch nie. Alles zu tief, viel zu tief sogar. Blutdruck und Puls sowieso, aber die Werte sind so schlecht, dass die Ärztin jetzt ernsthaft darüber nachdenkt, mich für eine Weile ins Krankenhaus einzuweisen, damit sich 'mein Körper erholen' kann. Das wäre ja ganz toll - nur hat mein Kopf leider für solche Extraurlaube keine Zeit, weil ich unheimlich viele Prüfungen schreiben muss und die Schule unter keinen Umständen noch einmal unterbrechen oder sogar abbrechen kann und will [hier sei gesagt, dass ich keine Kommentare dazu hören/lesen will - es ist meine Entscheidung, und die Schule ist mir wichtiger, Punkt].
Nun reicht es aber, ich muss zumindest die Augen schliessen, weil ich kaum noch die Buchstaben auf dem Bildschirm sehen kann vor Müdigkeit. Wie herrlich wäre es doch, einfach einzuschlafen. Aber das ist eine andere Geschichte.

10.5.09 01:53


.:Erinnerungen an früher:.

Ich weiss gar nicht mehr, wie oft ich heute gesagt habe, etwas nicht zu wissen. Glücklicherweise nicht in der Schule, sondern in der Therapie. Die Therapeutin wollte mit mir ein Genogramm erstellen, und bei jeder zweiten Frage musste ich passen. Woher soll ich denn wissen, wie sich der Vater meiner Mutter gefühlt hat, nachdem er im ersten Weltkrieg flüchten musste? Ich kannte ihn nicht, er starb ein paar Jahre vor meiner Geburt. Und wie soll ich beurteilen können, ob die Eltern meines Vaters glücklich miteinander waren, wenn sein Vater starb, als er selbst erst dreizehn war und seine Mutter, als ich sechs Jahre alt war? So ging das recht lange weiter. Ich glaube, ich denke, ich vermute... Irgendwann habe ich dann gefragt, warum das alles so wichtig sein soll. Da meinte die gute Psychologin, dass es mir vielleicht helfen würde, wenn ich wüsste und verstehen könnte, warum mein Vater derart depressiv war. Nein, das würde es nicht. Denn egal wie ich es drehen und wenden würde, egal welche trifftigen Gründe es auch geben mag - es ändert nichts an der Tatsache, dass ich neun Jahre lang Psychoterror erlebt habe. Und daran wird sich nichts ändern, niemals, ich werde noch nicht einmal etwas klären können, weil mein Vater nun mal tot ist. Warum also sollte es mir helfen, ihn zu verstehen? Ich werde ihn niemals verstehen können. Nicht, weil er an Depressionen erkrankte, sondern weil er sich, obwohl er einer Familie hatte, die ihn gebraucht hätte, nie hatte Hilfe suchen wollen. Aber das ist vorbei. Warum, warum sollte es mir also helfen, eventuelle Gründe zu erforschen [zumal ich noch nicht einmal wissen würde, ob es tatsächlich die Gründe sind, schliesslich kann er mir solche Fragen nicht mehr beantworten]?
Dennoch war das Gespräch ganz in Ordnung, teilweise sogar gut. Ich wirke sehr erwachsen, sehr reif, sehr überlegt und intelligent, sagte die Therapeutin. Ich höre es, registriere es und kann es nicht annehmen. Ich und intelligent? Ich und überlegt? Ich und erwachsen? Erstaunlich, wie anders mich andere Menschen sehen. Und ebenfalls erstaunlich, dass ich mich, was meinen Körper betrifft, dennoch genauso dünn sehe wie mein Umfeld. Ich habe keine Körperschemastörung, ich habe eine Charakterschemastörung [falls es das Wort noch nicht gab - jetzt existiert es]. Und nun folgt ein abruptes Ende - ich muss mich ausruhen [schlafen kann ich ohnehin nicht], da in ein paar Stunden [etwa acht] mein Wissen über die zwei Strahlensätze, den Kreis des Apollonius und lineare Gleichungssysteme gefragt ist. Matheprüfung.

16.4.09 02:14


.:Dauerstress und Seelentod:.

Äusserlich mag sich einiges geändert haben, aber im Kern sieht die Situation noch genauso aus wie vor ein paar Tagen, als ich kurz davor war, wirklich Suizid zu begehen. Ich habe meiner ambulanten Therapeutin [nicht die aus der Tagesklinik] geschrieben in dieser Nacht, und ich weiss noch nicht einmal, warum ich es getan habe. Vielleicht, weil ich noch einmal etwas von ihr hören wollte, vielleicht, weil ich ihre Antwort noch lesen wollte und somit die Nacht irgendwie überleben musste, ganz bestimmt nicht, weil ich mir dadurch Hilfe erhofft habe. Denn wer schon einmal in der Situation war, aus dem tiefsten Inneren heraus sterben zu wollen, hofft nicht mehr auf Hilfe. Ein Suizidversuch mag ein Hilfeschrei sein - vollendeter Suizid ist kein Schrei mehr, sondern nur das Satzzeichen am Ende einer Geschichte. Jedenfalls war es in meinem Fall so vorgesehen. Wie dem auch sei, meine Therapeutin hat mir also geantwortet, hat mich gebeten, mich selbst in die Notfallstation der psychiatrischen Universitätsklinik einzuliefern [was ich nicht getan habe, weil ich nicht wollte, dass meine Mutter etwas von meinem Zustand mitkriegt] und mir versprochen, dass sie mit der Therapeutin aus der Tagesklinik Kontakt aufnehmen wird. Das hat sie auch getan. Gestern hatte ich das zweite Einzelgespräch in der Tagesklinik, und was zumindest besser als beim letzten Mal. Die gute Frau war recht überrascht, als meine Psychiaterin ihr erzählte, dass ich akut suizidal sei. Und dann musste sie sich eingestehen, dass sie in den vorangegangenen Therapiestunden [sie ist auch die Gruppentherapeutin für die Essgestörtengruppe, ich sehe sie also drei Mal pro Woche] die Zeichen, die sie im Nachhinein als eindeutig erkannte, übersehen hatte. Ich mache ihr keinen Vorwurf; meine Maske ist inzwischen so perfekt auf mich zugeschnitten, dass niemand [mein Pferd und meine Psychiaterin ausgenommen] sie durchschauen kann, wenn ich es nicht will. Und damit wäre ich beim Kernpunkt angekommen - ich muss wollen. Den Widerspruch in diesem Satz übersehe ich grosszügig. Ich habe also zwei Möglichkeiten: entweder ich mache weiter wie bisher und sterbe wirklich bald, oder ich lasse mich auf den Pakt des Teufels ein, überwinde die tiefste Angst, die ich je empfunden habe und vertraue, vertraue einem fast völlig fremden Menschen [in diesem Fall der Therapeutin] und lasse mir helfen. Wer nun glaubt, diese Entscheidung sei leicht zu fällen, hat in der Tat keine Ahnung davon, wie es ist, an Essstörungen, Depressionen, Selbstverletzung und Suizidgedanken zu leiden. Wobei 'leiden' das falsche Wort ist - ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass ich gar nicht mehr weiss wie es ist, wirklich glücklich, ruhig, entspannt und mit sich zufrieden zu sein. Ich habe vergessen wie es sich fühlt, wenn es einem gut geht. Mir geht es lediglich 'wie immer'. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich muss mich entscheiden, für den sicheren und verfrühten Tod oder für den sicheren Tod. Und es ist nicht leicht, ganz und gar nicht, denn die Kraft um 'ja' zum späteren Sterben zu sagen [ich fühle mich derzeit ausserstande, an so etwas wie ein Leben zu denken], habe ich nicht mehr. Seelisch tot und nur noch funktionierend zwinge ich mich durch die Tage, damit ich sie wenigstens halbwegs sinnvoll nutze und etwas lerne. Nicht, weil ich so wahnsinnig grosse Hoffnungen auf eine tolle Zukunft habe, sondern weil ich, wenn schon, belesen und gebildet sterben will. Und weil die Schule wunderbar von allem anderen ablenkt [wer schon einmal ein lineares Gleichungssystem mit sechs Unbekannten gelöst und anschliessend grafisch dargestellt hat, weiss, wovon ich spreche].

2.4.09 12:30


.:Gedankenende:.

Erschreckend, wenn man irgendwann mitten in der Nacht vor dem Bildschirm sitzt und plötzlich diese ruhige Gewissheit hat, dass es bald vorbei sein wird. Nicht, weil es mir körperlich so schlecht geht [ich weiss nicht, warum, aber meine Blutwerte sind relativ gut, trotz allem], sondern weil ich nicht mehr kann. Wirklich nicht. Ich spüre, dass sich nie etwas ändern wird, weil ich nicht die Kraft habe, etwas zu ändern. Ich werde immer fressen und kotzen, ich werde mich niemals mit einem normalen Gewicht akzeptieren können, ich werde niemals leben können. Denn die Essstörung wird immer in mir sein, Therapie hin oder her. Ich frage mich ohnehin, warum ich mir das noch antue. Klar, dieses Programm hat erst vor zwei Wochen angefangen, aber ich kann jetzt schon nicht mehr. Ständig reden, mir irgendwelchen Mist anhören müssen, denn ich entweder schon kenne oder von dem ich weiss, dass ich anders bin, dass meine Geschichte aus dem Rahmen fällt. Ich passe nicht, wie so oft. Die Therapeutin will um jeden Preis meiner Mutter die Schuld für meine Krankheit geben, spricht von 'ungesunden Familienstrukturen, matiereller Beziehung und Ablösungsproblemen'. Ja, natürlich ist oder war meine Familie ziemlich disfunktional, aber das heisst nicht, dass meine Mum die Schuld an meiner Essstörung trägt. Sie unterstützt mich, wo sie kann, sie versucht, mir zu helfen, aber es ist definitiv nicht der Fall, dass sie mich nicht selbstständig werden lassen will. Nur können wir es uns nicht leisten, dass ich von zu Hause ausziehe. Auch ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft kostet Geld. Aber das nur am Rande, denn eigentlich ist es mir gerade recht egal, was später sein wird, weil ich die Antwort schon kenne: nichts. Ich will nicht mehr. Neun Jahre habe ich verschwendet. Die Leute, die damals mit mir das Gymnasium besucht haben, sind längst mit der Schule fertig, studieren seit etwa drei Jahren [oder arbeiten, ich weiss es nicht] und leben vermutlich ein Leben, das man leben sollte, wenn man einundzwanzig ist. Und ich? Ich gehe noch zur Schule, habe noch zweieinhalb Jahre vor mir, quäle mich von Therapie zu Therapie und bin nun an dem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr will. Es hat keinen Sinn mehr, noch weiter zu machen, wenn ich doch so oder so nicht in der Lage bin, etwas zu ändern. Das hört sich an, als würde ich es mir bequem machen, mich auf der Essstörung ausruhen und sie als Entschuldigung für alles sehen, was ich nicht schaffe. Falsch. Ich bin nur einfach so krank, dass ich da nicht mehr rauskomme. Es geht nicht, wirklich nicht. Vor ein paar Jahren habe ich ein Buch gelesen, in dem die Geschichte einer Essstörung beschrieben wird. Sehr schlimm - viele Therapien, viele Abstürze, beinahe Suizid. Und damals dachte ich noch, dass es bei mir nie so weit kommen wird. Irrtum, ich bin genauso krank wie sie. Nur, dass die Sache mit dem Suizid bei mir nicht mit 'beinahe' erledigt ist. Ich will nicht mehr so leben, und anders geht es nicht. Lieber gar nicht als so. Ja, ich bin ausgesprochen suizidal, und keiner weiss etwas davon. Und wenn schon. Wer sich wirklich umbringen will, kündigt es schliesslich vorher nicht an. Will ich das wirklich? Keine Ahnung, ich weiss nur, dass ich lieber sterbe als so weiterzumachen. Aber ändern kann ich es nicht. Das Leben ist wohl nicht für jeden Menschen geeignet. Ich habe es versucht - und bin gescheitert. Und nun habe ich keine Kraft mehr, um es noch ein weiteres mal zu versuchen. Alles ist sinnlos, alles ist leer. Ich will nicht mehr. In Gedanken ist das Ende nahe.

30.3.09 02:16


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