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.:Zuhören:.

Ich hatte fast schon vergessen, wie heilsam es für eine blutende Seele sein kann, wenn ihr jemand einfach zuhört - auch dann, wenn sie schweigt. Noch im Bus Richtung Praxis hätte ich nicht geglaubt, überhaupt ein Wort über die Lippen zu bringen, doch als ich dann auf dem schwarzen Ledersofa meiner Therapeutin gegenüber sass, fühlte es sich an, als würde ich 'laut schreiben' - Worte über Worte, unverfälscht und vollkommen [fast schon erschreckend] ehrlich. Und sie hat zugehört, einfach zugehört. Manchmal Fragen gestellt, doch niemals die falschen, niemals so, dass ich mir unverstanden vorkam. Eine Seltenheit, zumindest in meinem Fall. Ich konnte plötzlich wieder sprechen, über die gehäuften Fressanfälle, über das Erbrechen, über all die Ängste, die mit dem Essen verbunden sind, über meine Familie, über meine schlaflosen Nächte und die Suizidgedanken, über die Sehnsucht nach der Klinik, einfach über alles. Es hört sich nach einer 'perfekten' Sitzung an - nur eines hat mir irgendwie gefehlt; ich wünschte, ich hätte weinen können. Wie lange ist es her, seit ich zum letzten Mal Tränen über mein Gesicht laufen spürte? Ich weiss es nicht mehr. In mir wächst ein Druck, so, als ob sich all die Tränen in Unmengen von Wasser irgendwo anstauen würden, immer bereit, beim richtigen Auslöser eine innere Explosion auszulösen. Und wenn ich an diesen Moment denke [dass er früher oder später kommen wird, steht ausser Frage], fürchte und sehne ich mich gleichzeitig danach. Ein seltsamer Zustand, der durchaus leichter zu ertragen wäre, wenn ich ihn voraussehen könnte. Aber das ist eine andere Geschichte.
Trotz der Tränenlosigkeit fühle ich mich erleichtert, befreit. Gedanken, die mich immer wieder wie Messerstiche im Innern verletzt haben, sie sind zweifellos noch da, werden nicht einfach nach einem Gespräch verschwinden, doch durch das Aussprechen haben sie etwas an Macht verloren - die Macht, mich denken zu lassen, dass ich allmählich vollkommen verrückt werde. Nein, ich kann nicht den Verstand verlieren, wenn es doch jemanden gibt, der mich [zumindest grösstenteils] versteht, mir das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. Natürlich könnte man sagen, es sei selbstverständlich, schliesslich ist genau dies nun mal die Aufgabe einer Therapeutin, doch ich weiss aus Erfahrung, dass es nicht so ist. Und wenn schon, was spielt das noch für eine Rolle, wenn die Wirkung derart hoffnungsspendend ist? Das hört sich nach Leben an, positiv, eigentlich zu euphorisch und beinahe schon manisch - doch realistisch gesehen bin ich nicht weniger depressiv als heute Morgen, die Welt hat sich nicht plötzlich verändert. Aber da ist eine Erleichterung, so, als hätte ich nach harter Arbeit im Bergwerk für einen Moment die Steine ablegen können. Erstaunlich, was in fünfundvierzig Minuten möglich ist. Einfach zuhören.

1.12.07 00:03


.:Gedanken an früher:.

Noch vier Stunden, dann wird mich der Wecker aus dem Bett zwingen. Und anstatt zu schlafen, sitze ich noch immer vor dem Bildschirm und höre Musik. Alte Lieder, Lieder von früher. So viele Erinnerungen sind damit verbunden, und obwohl davon einige trauriger Natur sind, muss ich unverhofft lächeln. Erklären kann ich es nicht, lasse meine Gedanken einfach in die Vergangenheit wandern und sehe mich selbst, wie ich als Kind voller Vorfreude in unserem hellblauen Kombi sitze - wir waren auf dem Weg in den Urlaub, und das Autoradio spielte unentwegt dieselbe Musik [damals noch auf Kassette!]. Meine Eltern konnten bereits genauso gut mitsingen wie ich, und obwohl sie bei der hundersten Wiederholung grausam entnervt die Augen verdreht haben, haben sie selbst dann noch das Radio laufen lassen, als ich längst auf dem Rücksitz eingeschlafen war. So war es jedes Jahr, wenn mein Dad unseren Wagen mit dem ganzen Gepäck mitten in der Nacht sicher über irgendeine Autobahn gelenkt hat. Wenn ich nun die Augen schliesse und mich treiben lasse, kann ich mich sogar an all die Stofftiere erinnern, die mich in den Familienurlaub begleitet haben. Ich weiss noch genau, wie glücklich ich war, wenn wir irgendwann früh morgens völlig übermüdet im Hotel angekommen sind. Es war alles so vertraut; der Hotelflur mit der für mich wahnsinnig faszinierenden Eismaschine, das Restaurant neben der Eingangshalle mit dem riesigen Buffet, das Casino im Nebengebäude, das ich niemals von innen gesehen habe, weil ich damals zu klein war, dessen funkelnde Lichter ich aber jeden Abend mit glänzenden Kinderaugen bestaunt habe, wenn wir von unserem Abendspaziergang ins Hotel zurückgekehrt sind. Und natürlich das Zimmer - es lag im vierzehnten Stock, und wir hatten ein unglaublichen Ausblick über einen grossen Teil der Stadt [damals glaubte ich sogar, vom Balkon aus die Schweizer Berge sehen zu können], und wenn es draussen dunkel wurde, stand ich oft mit meinem Dad am Geländer und zählte die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Autos. Und so seltsam es klingen mag - ich erinnere mich sogar an den morgendlichen Duft der nahegelegenen Bäckerei, wenn wir uns nach dem Frühstück im Hotel einen 'Monstrietzel' gönnten, einfach so, weil wir eben im Urlaub waren. Während ich hier sitze und all diese inneren Bilder in Worte zu fassen versuche, legt sich ein sanfter Schleier über mein Herz, der mich erkennen lässt, dass ich manchmal, wenn es auch nur für eine einzige Woche im Jahr war, doch einfach ein Kind war. Und ich höre noch immer diese Musik und bin froh darüber, diese Bilder über all die Jahre niemals verloren zu haben. Erinnerungen an früher. An eine Zeit, die ich als glücklich empfunden habe.

1.12.07 02:09


.:Kommentarlos:.

Was soll ich zu einem Tag wie diesem schon sagen? Er hat um Mitternacht begonnen und vierundzwanzig Stunden später war er vorbei. Unglaublich aufregend. Es regnet. Ein schönes Geräusch. Ich habe meine Drogen [Antidepressiva, ganz legal] brav geschluckt und versuche mir vorzustellen, wie sie nun die Aussendung von Botenstoffen in meinem Gehirn beeinflussen. Nur wirklich gelingen will es mir nicht - zu wenig Schlaf, ohne Frage. Draussen tobt ein Sturm, und ich erinnere mich, wie ich mir als Kind oft vorgestellt habe, bei solchem Wetter einfach von einer Windböe weggeweht zu werden. Was für seltsame Gedanken Kinder doch manchmal haben. Ich bin müde. Aber nicht einfach müde, sondern auf seltsame Art... ich suche das Wort... entspannt? Beruhigt? Ich weiss es nicht. Vielleicht sollte ich einfach schlafen und damit den gestrigen Tag definitiv beenden. Vielleicht werde ich auch die ganze Nacht wach sein. Aber die Wahrscheinlichkeit ist anhand der neuen Dosierung meiner Psychopharmaka glücklicherweise relativ gering. Ich werde es bald wissen. Morgen, nein heute schon. Das Gestern zog vorüber. Kommentarlos.

3.12.07 02:00


.:Weniger werden:.

Die Waage ist zu meinem Feind geworden. Meine Finger zittern, wenn ich daran denke, was ich heute gegessen habe, und ich habe regelrecht Panik vor der Zahl, die morgen auf mich wartet. Es war zu viel, jedenfalls für mich und meine gestörte Wahrnehmung. Ich kann mich nicht länger ertragen, überall ist zu viel von mir. Es hört sich schrecklich an, wenn ich so rede, obwohl ich eigentlich noch immer viel zu dünn bin, doch es sind meine Gedanken, und sie sind so stark, dass sie mich die ganze Nacht wach liegen lassen. Ich kann an nichts anderes denken als daran, dass ich zugenommen habe, viel zu viel für meine Ansicht [ich weiss, dass diese eigentlich falsch ist, aber wie soll ich das ändern?]. Dieses Gefühl ist die absolute Hölle, und ich sehne mich so sehr danach, wieder richtig zu hungern, dünn und dünner zu werden - kurz; ich bin krank genug, um kränker werden zu wollen. Bald muss ich mich in der Klinik für ein neues Vorgespräch anmelden, und ich habe Angst davor - Angst, nicht 'krank genug' zu sein, um den Platz zu bekommen. Das Gewicht muss verschwinden, so schnell wie möglich. Jeder Atemzug ist zu viel für mich, ich sehe Fettzellen, wo nichts ist. Doch das blosse Wissen hilft mir nicht weiter, kein Stück. Gefährliche Gefühlstäuschung, denn ich weiss, wohin sie führen wird. Und noch gefährlicher, dass es mir geradezu recht ist. Hungern. Verneinung des eigenen Körpers. Weniger werden.

4.12.07 22:49


.:Kinderaugen:.

Mit erwartungsvollem Blick sitzt sie am Fenster und schaut in die klare Nacht hinaus. Ihre blauen Augen wandern immer wieder den Gehweg vor ihrem Haus auf und ab. Wir schreiben den sechsten Dezember, und diese blauen Augen gehören einem vierjährigen Mädchen, das mit freudiger Aufregung den 'Samichlaus' in der Dunkelheit zu erkennen versucht. Wie lange es wohl noch dauern mag, bis ihre Mutter sie ins Wohnzimmer rufen wird? Bestimmt hat sie schon hundert Mal nachgefragt, und ebenso oft musste sie sich mit einem liebevollen 'Bald' zufrieden geben. Seufzend malt sie mit ihrem schmalen Zeigefinger ein grosses 'T' an die von ihrem Atem beschlagene Scheibe des Küchenfensters. Der erste Buchstabe ihres Namens. Ob der 'Samichlaus' wohl weiss, dass sie bereits ihren Namen schreiben kann? Sie lächelt. Im letzten Jahr hat er sie ermahnt, ihr Zimmer öfter aufzuräumen, und heute hat sie extra für den 'Samichlaus' all ihre Spielsachen im Schrank verstaut, ihre Winterjacke sorgfältig hinter der Tür aufgehängt und sogar das Bett mit ihren unzähligen Stofftieren in Ordnung gebracht. Ihre Eltern haben sich vielsagend zugeblinzelt, als sie ihnen stolz verkündet hat, dass sie sich an die Worte vom 'Samichlaus' gehalten hat. Doch obwohl sie es sofort bemerkt hat, kann sie sich nicht den Grund dafür erklären.
Aber das ist jetzt unwichtig. Es kann schliesslich nicht mehr lange dauern - sie wartet nun schon so lange. Gerade will sie ihren Ausschauplatz für einen Moment verlassen, um ihren Vater erneut nach der Uhrzeit zu fragen als... Da! Da unten, am Waldrand - ein roter Umhang! Und dann erkennt sie auch die dunkle Gestalt, die neben dem Mann mit dem wunderschönen rotgoldenen Gewand herschlurft; der 'Schmutzli', der auf der Schulter einen grossen Jutesack trägt. Was sich darin wohl verbergen mag? Sie kann vor Aufregung nicht mehr ruhig am Küchenfenster sitzen bleiben. Wie ein aufgescheuchtes Rehkitz hüpft sie durch das Wohnzimmer, und ihr Kinderherz schlägt Purzelbäume. Dann ertönt die Türklingel. Ihre Mutter dreht den Schlüssel im Schloss. Das Mädchen hält den Atem an, zählt die Schritte im Treppenhaus. Es ist so weit - er steht vor ihr. Sie strahlt übers ganze Gesicht, ihre Wangen leuchten. Und zwei blaue Kinderaugen mustern den grossen Bischofshut mit der goldenen Verzierung. Eine Hand, in weisse Handschuhe gehüllt, streckt sich ihr entgegen. Vorsichtig, fast schon ehrfürchtig, lächelt sie, und ihre kleinen Finger berühren den Stoff. Ein Leuchten in den Kinderaugen.
Ich erinnere mich noch heute an diesen Händedruck.

7.12.07 01:49


.:Gedankenfetzen:.

Lass mich los, wenn ich den Halt verliere; ich bin süchtig nach dem Fallen. Brauche das Gefühl des endlosen Nichts - wie das Nichts auch ein Ende haben? Verwirrung, und ich schaue aus dem Fenster in die Nacht. Leere. Ein Atemzug. Und noch einer. Gedankensturm. Ich kenne nicht die Worte, die ich mir vom Herzen schreibe. Irrelevant - sie erfüllen ihren Zweck. Befreiend, Erleichterung. Ich schwebe, bin nur ein schwereloses Blatt im Wind der geschriebenen Sprache. Irgendwo hin. Unbekanntes Ziel, Neuanfang. Haltet mich nicht fest, ich passe ohnehin nicht in eure Welt. Zu eng? Zu weitläufig? Egal - schlicht fehl am Platz. Und für den Moment störe ich mich nicht daran. Warum auch? Hunger; Freiheit. Meine Autonomie. Herzschlag, ich spüre ihn, er ist zu langsam. Was geschieht danach? Schlafen, ich bin müde. Und nicht müde genug. Aufgewühlt, tief im Innern verloren - und doch in Sicherheit, irgendwie. Wiederholung; ich konnte sprechen, einmal mehr. Sie versteht mich, kann den wirren Worten in meinem Kopf folgen. Erstaunlich, beruhigend. Sie würde gerne einige meiner Texte lesen, hat sie gesagt. Ich solle mir wegen Mum keine Vorwürfe machen, hat sie gesagt. Regelmässiges Essen beuge den Fressanfällen vor, hat sie gesagt. Ja, sie hat recht. Und jetzt? Keine Ahnung. Ich bin... ...den Faden verloren, der Gedanke ist mir entwischt. Sie will mir helfen. Noch besser: ich denke ehrlich, dass sie es auch kann. Nicht jetzt, in der Klinik werden andere Ärzte meine Seele zu flicken versuchen, aber später, wenn ich wieder zu Hause sein werde. In Zukunft, irgendwann. Und doch sind die Gespräche schon jetzt eine Stütze. Alles dreht sich. Meine Finger zittern, ganz leicht nur, eine angenehme Schwäche. Hungergefühl. Ohne Gewicht, ich fliege. Meine Augen fallen zu, sind nicht mehr in der Lage, die Buchstaben auf dem Bildschirm zu erfassen. Raus mit den Worten. Mondschein vor dem Fenster. Oder vielleicht auch nur eine Strassenlaterne. Wo liegt der Unterschied? Immerhin braucht beides fremde Hilfe, um Licht abzugeben. Seltsame Wendung des Monologs. Ich kann mir nicht ganz folgen. Lasse mich los, lasse mich einfach treiben. Von Gedankenfetzen.

8.12.07 01:29


.:Hungrig:.

Zitternde Finger, Traumbilder. Ich bin müde, erschöpft ohne etwas getan zu haben, das diesen Zustand rechtfertigen würde. Und ich frage mich, ob ich denn wirklich eine Entschuldigung brauche, um müde zu sein. Seltsamer Gedanken. Ich könnte ihn auf das Medikament zurückführen, doch diesem ist lediglich die Müdigkeit zuzuschreiben - Schlafmittel, ohne diese verfluchte Chemie liege ich nächtelang wach. Schlafstörungen; eine Nebenwirkung meiner Essstörung. Meine Therapeutin sagt, mein Körper sei dermassen ausgezerrt, dass er nicht mehr zur Ruhe kommen kann - er kämpft ums Überleben. Und ich schaue dabei zu, wie er langsam verliert. Interessantes Schauspiel. Ich beobachte mich, wie ich diese Worte schreibe, und ich komme mir so fremd vor in mir. Irgendwie nicht lebendig. Nur das Leeregefühl in meinem Magen lässt mich spüren, dass ich noch da bin. Müde. Müde und vor allen Dingen hungrig. Sag mir, warum es sich gut anfühlt.

8.12.07 23:39


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