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.:Kurz gesagt:.

Danke. Danke für alles. Ich liebe dich auch.

1.1.08 01:45


.:Abnehmen:.

Endlich - das grosse Fressen hat ein Ende. Zum ersten Mal seit Monaten weiss ich nicht, wieviel ich wiege, und ich bin froh darüber. Bestimmt habe ich noch mehr zugenommen über die Festtage, und obwohl ich weiss, dass es falsch ist, höre ich brav auf die Stimme in meinem Kopf, die mir mit verhängnisvollem Unterton ins Ohr flüstert, dass es nun wieder an der Zeit ist, abzunehmen. Ich kann nicht anders, verzeiht mir. Gewicht verlieren, weniger werden, ich brauche dieses Gefühl so sehr, mehr denn je. Bin süchtig nach dem Wenigerwerden - auch wenn ich weiss, dass ich froh sein sollte um jedes Gramm, das ich zugenommen habe. Doch ich will das nicht, kann das nicht, ertrage das nicht. Es ist meine letzte Chance vor der Klinik, und die Sucht in mir will sich noch einmal richtig 'austoben'. Jetzt, wo all die Festesserei endlich vorbei ist, kann ich mich wieder auf das konzentrieren, was ich wirklich kann - hungern. Was soll ich auch sonst tun? Essen? Seid ihr denn vollkommen wahnsinnig? Ich will nicht so sehr da sein, will dünn sein, dünner und am dünnsten - unsichtbar. Verschwinden aus dieser Welt, die heute Nacht so fröhlich Silvester feiert. Ein neues Jahr, ein neues Datum - ein neues Leben? Ein neuer Anfang, um noch tiefer in die gefährliche Sucht zu fallen. Und wäre es nicht dermassen ungesund [oder tödlich], ich würde wahrscheinlich niemals einsehen, dass es falsch ist. Nur eines ist mir bewusst geworden; ich werde auch in der Klinik nicht so viel zunehmen, wie ich die Ärzte es von mir verlangen werden. Warum? Das hat mit Vernunft nichts zu tun - ich muss mich doch irgendwie noch wohl fühlen können in meiner Hülle. Und mit dem vorgeschriebenen Gewicht wird das nicht mehr möglich sein, dessen bin ich mir sicher. Schliesslich wird keine Psychiaterin [ich schreibe in der weiblichen Form, weil das Ärzteteam des Unispitals bis auf zwei Pfleger aus Frauen besteht] in der Lage sein, mein ganzes Ich vollständig umzukrempeln. Und wenn mein gefühltes Idealgewicht bedeuten sollte, dass ich niemals in der Lage sein werde, Kinder in die Welt zu setzen, dann nehme ich das in Kauf [ja, das hört sich schrecklich und krank an - aber erstens bin ich krank, und zweitens ist es nicht mein Wunsch, Kinder in die Welt zu setzen]. Aber das ist eine andere Geschichte. Erstmal geht es mir nur darum, mich wieder anschauen zu können - und in meiner kleinen Welt gibt es nur einen Weg, der zu diesem Ziel führt. Abnehmen, weniger werden. Gewichtsverlust als Mittel zur Selbsterkennung. Traurige Wahrheit.

1.1.08 02:08


.:Krankenhausaufenthalt und andere Sorgen:.

Möglich, dass es jemandem aufgefallen ist - ich war zwei Tage lang aus der anonymen Welt des Internets verschwunden. Der Grund: ich lag im Krankenhaus. In der Nacht vom ersten auf den zweiten Januar habe ich derart heftige Bauchkrämpfe bekommen, dass ich nach dem Duschen vor Schmerz zusammengebrochen bin. Meine Mutter hat dann ausnahmsweise keine Rücksicht mehr auf meine Wünsche genommen und mich in die Notaufnahme gefahren. Ich wurde untersucht ['haben Sie irgendwelche Krankheiten?' 'Essstörungen, Anorexia nervosa, purging type.' 'Und sonst?' 'Nicht, dass ich wüsste.'], dann bekam ich eine Infusion [meine zu dünne Vene am Arm hat sich gegen den Schlauch gewehrt und die ganze Nacht über schmerzhaft protestiert] mit Schmerzmitteln und einer Kochsalzlösung. Die Ärzte liessen mich dann stündlich überwachen, weil sie der Ansicht waren, ein Blutdruck von fünfundvierzig zu achtundsiebzig sei doch etwas zu niedrig [kleine Anmerkung: normal wäre ein Wert von etwa achzig zu hundertzwanzig]. Ich fror in meinem unbequemen Krankenhausbett [Körpertemperatur von vierunddreissigkommadrei Grad], aber das ist nichts Neues.
Gestern 'durfte' ich dann eine abscheulich schmeckende Flüssigkeit trinken, um den Darm zu reinigen [für heute war ein Darmspiegelung vorgesehen, weil alle anderen Untersuchungen ohne Befund waren] - und es war das erste Mal, dass ich beinahe ohne Hilfsmittel erbrochen hätte. Der 'positive' Nebeneffekt: damit der Darm auch wirklich leer war, bekam ich keine Nahrung. Ja, ich weiss, dass mich diese Tatsache nicht froh stimmen sollte, aber sie tut es nunmal. Wie dem auch sei, heute Morgen wurde mein Inneres auf einen Monitor projeziert [Ultraschall], der Arzt konnte nichts feststellen [ausser der Tatsache, dass er damals die selbe Schule besuchte, die ich im Sommer weiterführen werde - die Welt ist klein] und schickte mich mit der Bemerkung, ich sei viel zu dünn, man könne alle Organe sehen wie im Medizinlehrbuch, wieder in mein Zimmer. Danke für das Kompliment! Dort habe ich dann erstmal etwas Schlaf nachgeholt [meine Schlaftabletten durfte ich nicht nehmen, weshalb ich die Nacht lesend und schreibend verbracht habe]. Irgendwann kurz vor Mittag kam dann der nette Pfleger [hier soll erwähnt werden, dass das ganze Personal ausgesprochen nett war und die Schwestern beim Wechseln der Infusion sogar grosszügig meine Schnittwunden am Unterarm 'übersehen' haben] und schob mich samt Bett [ich fragte mich, warum wohl] in den Untersuchungsraum, wo eine ebenfalls nette Schwester mich vorbereitet ['Ich werde Ihnen erst einmal den Blutdruck messen - oh, der ist aber viel zu niedrig, da muss ich mit dem Arzt sprechen.'] hat. Der Arzt kam, entschied, dass ich aufgrund des niedrigen Blutdrucks ein Schlafmittel [in der Tiermedizin spricht man von Sedalin - ich wurde sozusagen vorübergehend eingeschläfert] bekommen muss, weil schon der kleinste Schmerz mich in die Bewusstlosigkeit treiben könnte, was problematisch werden würde. Nun gut, ich schlief wirklich sehr rasch ein [innert dreissig Sekunden etwa] und bekam rein gar nichts mit. So ungefähr fühlt sich wohl eine Amnäsie an.
Lange Rede, kurzer Sinn: auch diese Untersuchung blieb ohne Befund, und nun bin ich seit etwa drei Stunden wieder zu Hause. Die Schmerzen sind nach wie vor ungeklärt, die Ärzte vermuten nun einen psychischen Hintergrund. Auf die Idee hätte ich selbst kommen können. Aber wenigstens weiss ich jetzt, dass ich noch funktioniere. Wie dem auch sei, ich habe für's Erste genug von Krankenhäusern und weissen Kitteln [auch wenn sie, wie schon erwähnt, alle sehr nett waren]. Zur Hausärztin muss ich irgendwann nächste Woche, in Ordnung, was solls. Dann wird sie mir Blut abnehmen und meine Schnittverletzungen am Unterarm sehen. Und ich werde sie nicht belügen, weil ich ihr vertraue und es ohnehin keinen Sinn hätte - sie kennt mich einfach zu gut. Morgen habe ich einen Termin bei meiner Psychiaterin, auch ihr werde ich nichts vormachen, wozu auch, schliesslich weiss sie ohnehin mehr von mir als sonst wer und es ist ihr Job, mich seelisch wieder zusammenzuflicken [was sie meist ganz gut hinkriegt]. Und in einer Woche habe ich ja bereits den Termin für das Vorgespräch in der Klinik. Aber das ist eine andere Geschichte.
Nun werde ich mich hinlegen - die Narkose wirkt noch ordentlich nach, so sehr, dass ich nicht in der Lage bin, mein Pferd heute selbst zu bewegen. Aber er wird gut versorgt, und kurz besucht habe ich ihn natürlich. Auch von meinem Hund wurde ich freudig empfangen [ich habe fast befürchtet, ihm fällt vor lauter Wedeln der Schwanz ab], ein schönes Gefühl, daheim so willkommen zu sein. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

3.1.08 20:28


.:Todessehnsucht:.

Leere. Ich fühle nichts und doch zu viel. Ein innerer Schmerz hat sich in meiner Seele ausgebreitet, zu stark, als dass er erträglich wäre. Suizidgedanken, stärker denn je. Ich kann nicht mehr, will nicht mehr. Alles ist zu viel, und ich werde innerlich zerrissen. Zerrissen in blutenden Stück, und ich spüre jeden Schnitt. Es ist mehr, als ich ertragen könnte. Meine Seele schreit, und niemand ist in der Lage, ihre Rufe zu verstehen. Leben, es geht vorbei. Ich kann nicht mehr, weiss, dass ich mich wiederhole, doch wie sollte ich sonst ausdrücken, was in mir vorgeht? Sterben - ich sehne mich nach dem Tod oder nach irgendwas, was diesem Zustand ein Ende bereitet. Kein Antidepressiva kann meine blutende Seele noch heilen, und ich spiele mit dem Gedanken, mich auf den Weg nach draussen zu machen - verschwinden, weg aus diesem Leben. Zu müde, zu schwach, zu viele Fragen. Ich weiss nicht, warum ich falle, warum jetzt, wo ich doch froh sein sollte, wieder zu Hause zu sein. Aber ich bin es nicht, die Decke kommt näher und zerschellt schliesslich auf meinem Kopf. Schmerz, ein unerträglicher Schmerz lastet auf mir; Sehnsucht. Sehnsucht nach dem Tod. Ich will nur, dass es aufhört. Sterben. In dieser Nacht? Ich weiss es nicht. Es wäre nicht die Lösung. Aber ein Ausweg. Einfach verschwinden, den Schmerz hinter mir lassen. Und ich greife zum Messer. Mit einer einzigen Frage in meinen Gedanken - wo werde ich die Klinge ansetzen? Alles dreht sich, ich weiss es nicht. Noch nicht. Morgen habe ich einen Termin bei meiner Psychiaterin, doch es ist zu weit entfernt. Ich ertrage es nicht bis morgen, ertrage diese schmerzende Leere keine Minute länger. Ich will nicht mehr. Kann nicht mehr. Blut - die Frage ist nur, wie viel.

3.1.08 23:37


.:Psychiatrie:.

Mein kaputtes Ich ist wieder einigermassen zusammengeflickt; ich war heute bei meiner Psychiaterin und habe mir all die blutigen Gedanken von der Seele geredet. Sogar dass ich mich selbst verletzt habe, habe ich ihr erzählt und auch, dass die Suizidgedanken teilweise so stark sind, dass ich wirklich nicht weiss, ob ich die Nacht überlebe [ja, ich vertraue ihr wirklich]. Sie ist besorgt, hat mir sogar vorgeschlagen, mich in die nächste psychiatrische Klinik einzuweisen. Ich weiss nicht recht, was ich davon halten soll. Einerseits wäre es eine Erleichterung für mich, endlich mal von zu Hause weg zu kommen, aber andererseits kann ich es mir nicht vorstellen - ich unter all den 'wirklich Kranken'? Natürlich bin ich auch krank, aber bisher dachte ich immer, dass es nicht 'für die Psychiatrie reichen' würde. Scheint so, als wäre das eine Fehlüberlegung gewesen. Ich könne ihr jederzeit schreiben oder sie anrufen, hat meine Therapeutin dann noch gesagt, und sie würde mir sofort eine Überweisung ausstellen. Ausserdem hat sie mir versprochen, gleich am Montag in der Klinik anzurufen [in die ich in ein paar Wochen eintreten werde wegen der Essstörung] und etwas Druck zu machen [sie hat dort selbst einmal gearbeitet und kennt die leitende Oberärztin gut]. Aber dennoch geht mir der Gedanke an die Psychiatrie nicht mehr aus dem Kopf. Gestern wäre ich wirklich beinahe so weit gewesen, mich umzubringen, dem ganzen Schmerz ein Ende zu setzen. Und heute? Momentan kann ich einigermassen atmen, aber ich weiss auch, dass das nicht lange anhalten wird. Der nächste Zusammenbruch kommt bald, und dann? Dann werde ich auf mich alleine gestellt sein, nur ich und das Messer in meiner Hand. Und wenn ich zu weit gehe? Ich kann doch mein Pferd nicht alleine lassen. Ich kann doch nicht einfach verschwinden - sagt mein Verstand. Hört sich lebensbejahend an - nur zu dumm, dass die Stimme in meinem Kopf stärker ist, viel stärker. Gegen sie kommt der beste Verstand nicht an.
Meine Psychiaterin hat dann noch von einer anderen Möglichkeit gesprochen - ich könne jederzeit im Universitätsspital vorbeigehen [die haben dort eine psychiatrische Notfallstation] und mich einweisen lassen. Zur Überbrückung sozusagen, bis ich endlich in die Klinik für Essstörungen eintreten kann. Dieses Wissen schleicht nun in meinem Hinterkopf umher und beruhigt mich irgendwie. Über den Status des naiven Kindes, das bei dem Wort 'Psychiatrie' sofort an eine 'Klapsmühle' denkt, bin ich längst hinaus. Es ist nichts dabei, sich Hilfe zu holen - und in Nächten wie der gestrigen wäre es sogar von Nöten gewesen. Immerhin hätte mir eine psychiatrische Hilfe wohl einige Wunden am Unterarm erspart [ich bin übringes noch immer erstaunt von mir selbst, dass ich meiner Therapeutin davon erzählt habe]. Aber dafür ist es nun zu spät. Vielleicht werde ich beim nächsten Anfall wirklich im Unispital landen. Und vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis ich endlich wieder in die Klinik eintreten kann. Wenn sogar meine Psychiaterin nochmal dort anruft und um einen baldigen Platz für mich bittet, stehen die Chancen nicht schlecht. Hoffe ich jedenfalls. Denn zu Hause wird die Situation untragbar. Ich bekomme hier keine Luft mehr, verzweifle mehr und mehr und werde das erdrückende Gefühl nicht los, dass mir hier die Decke auf den Kopf fällt. Da wäre die Psychiatrie wohl das kleinere Übel. Warum ich noch zögere? Weil ich es meiner Mutter nicht antun kann, dass sie mich an ihrem Geburtstag [am nächsten Donnerstag] im Krankenhaus besuchen muss. Schliesslich will sie mit mir und meinem 'Stiefvater' [eigentlich 'nur' der Freund meiner Mutter, sie sind nicht verheiratet] feiern - verständlich. Ich muss zurückstecken, obwohl ich mir nichts mehr wünsche, als endlich raus zu kommen aus diesen vier Wänden, die mich mehr und mehr einengen. Aber das ist eine andere Geschichte. Es wird schon gehen. Es muss eben irgendwie gehen.

4.1.08 22:59


.:Verwirrung:.

Meine Musikanlage spielt klassische Musik, ein Stück von Mozart um genau zu sein ['Serenade for Winds'], und ich mag es. Für einmal auf keinen Text hören, keine Worte, keine Stimme, nur die beruhigenden Klänge. Als ich im Krankenhaus war, habe ich dieses Stück sehr oft gehört, meist, um einschlafen zu können [ich hätte nie gedacht, dass klassische Musik so entspannend wirken kann]. Aber warum schreibe ich das überhaupt? Wen wird es wohl interessieren, welche Musik ich höre? Interessiert es mich, wen es interessieren könnte? Egal, für heute jedenaflls. Ich bin hungrig und glücklich darüber - endlich, ich fühle etwas. Schlafen werde ich so wohl kaum können, aber das nehme ich liebend gerne in Kauf, wenn ich dafür dieses wunderbare Gefühl des Hungers spüren kann. Ich bin süchtig danach, und ich weiss, dass ich dafür sorgen werde, dass ich wieder jeden Abend hungrig vor dem Bildschirm sitzen werde - auch wenn ich weiss, dass es eigentlich falsch ist. In meinem Entlassungsschreiben vom Krankenhaus steht eindeutig die Diagnose 'Anorexia nervosa, purging type' und 'schwere Depression' - und ich bin froh darüber. Wie kann man froh sein über eine [tödliche] Krankheit? Es gibt mir die Gewissheit, mich irgendwie definieren zu können, die Sicherheit, wirklich da zu sein. Ich - nicht 'normal', ich gehe nicht unter in der Masse; und wenn ich schon nicht weiss, wer ich bin, so weiss ich wenigstens, was ich bin - magersüchtig, mit bulimischen Phasen zwar, aber auf essgestört in jedem Fall. Es sollte mich nicht beruhigen, doch das tut es. Zu sehr wahrscheinlich, denn ich spüre in mir diese Kraft, diesen unbändigen Willen, zu hungern. Krank ist das, und ich verstehe jeden Menschen, der mich deswegen verurteilt [ich möchte hier noch erwähnen, dass ich nicht der 'ProAna- Bewegung' angehöre], ein Teil von mir tut es ja selbst. Und doch ist in meinem Kopf diese Stimme, die mich zwingt, zu hungern, die mir verbitet, etwas zu essen, was nicht auf meiner 'sicheren Liste' steht. Ich kann nicht normal sein, normal essen - wahrscheinlich deshalb, weil ich es nicht wirklich will. Seltsam, denn ich sehne mich geradezu danach, endlich in die Klinik eintreten zu können. Eine ambivalente Kombination, und ich hoffe noch immer, dass mir während der Therapie ein Grund in den Schoss fällt, für den es sich zu kämpfen, zu essen lohnt. Mein Pferd? Die Schule? Meine Familie? Die Zukunft? Träume? Ziele? Es gibt genug Gründe, und doch ist die Stimme in mir so unendlich stark, dass ich nicht mehr weiss, was ich überhaupt will. Nur, dass ich um Grunde wollen muss. Wie soll das bloss funktionieren? Ich kann nicht gesund werden, wenn ich es nicht will - doch wie soll ich gesund werden, wenn ich es wollen muss? Ein Teufelskreis, und ich bin masslos überfordert. Die Situation ist nahezu unerträglich für mich, und ich spiele noch immer mit dem Gedanken, für die Zeit bis zu meinem Klinikeintritt in eine Psychiatrie zu gehen. Wie soll ich hier bloss atmen können? Ich fühle mich, als würde ich innerlich zerbrechen, erdrückt werden von etwas, das ich nicht beschreiben kann. Wohin? Woher? Verwirrung auf der ganzen Linie.

5.1.08 23:54


.:Versprochen:.

Es gibt keinen besonderen Grund, warum ich schreibe. Vielleicht, weil mich ein netter Kommentar auf meinen letzten Eintrag darin bestätigt hat, dass es unwichtig ist, ob sich jemand für meine Worte interessiert, solange ich es tue. Schwierig, dass ich nicht wirklich weiss, ob ich mich dafür interessiere. Aber auch das ist heute unwichtig.'Es' muss eben raus, raus aus meinem übervollen Kopf, der unter dem ständigen Druck leidet und sich schmerzhaft bemerkbar macht. Aber wofür hat schliesslich jemand irgendwann einmal [wer war das eigentlich?] die Kopfschmerztablette erfunden? Aspirin sei Dank. Ich bin müde, und doch kann ich nicht schlafen. Morgen wird meine Therapeutin in der Klinik anrufen und der leitenden Oberärztin reichlich Druck machen, damit sie mich so schnell wie möglich aufnimmt. Erleichterung - ich halte es hier nicht mehr aus. Auch wenn meine Mum sich bemüht, mir wo sie nur kann zu helfen. Auch wenn ich die Zeit, die ich mit meinem Pferd verbringen kann, brauche und geniesse. Auch wenn das hier eigentlich mein Zuhause sein sollte - ich fühle mich hier so fremd, so weit entfernt von mir. Besonders nachts habe ich oft das Gefühl, der Situation nicht mehr länger gewachsen zu sein. Und dabei kann ich noch nicht einmal sagen, warum das so ist. Ich will schreien, will die unendliche Leere in mir irgendwie füllen [stupiderweise versuche ich das ausgerechnet mit essen - was dann unweigerlich dazu führt, dass ich genau das wieder loswerden 'muss']. Doch womit? Ich habe eine gefährliche Quelle entdeckt; Selbstverletzung, nur um zu spüren, dass ich noch da bin, dass ich überhaupt noch in der Lage bin, etwas zu empfinden. Ich bin heute an der Stelle vorbeigeritten, an der ich vor mehr als einem Jahr überfallen wurde - nichts. Panik? Angst? Ein ungutes Gefühl? Fehlanzeige - nur das plötzlich unendlich starke Bedürfnis, mir in den Arm zu schneiden. Und das mitten im Wald, während ich auf meinem Pferd sass. Sagt mir noch einmal, ich sei nicht verrückt [wobei es natürlich darauf ankommt, wie 'verrückt' definiert wird]. Ansonsten war der Ausritt schön, von der Kälte mal abgesehen. Aber es ist nicht mehr so wie früher - ich bin nicht mehr so sehr da. Es scheint mir, als würde ein Teil von mir irgendwo in einem Vakuum gefangen gehalten, und ich bin selbst der Gefängniswärter, der nach jedem Freigang wieder den Schlüssel im Schloss dreht und mich wegsperrt. Freigänge - immer beginnend mit einem Essanfall oder einem Schnitt in den Unterarm. Es ist eine Frage der Zeit, wie lange es dauern wird, bis meine Mutter die Wunden entdecken wird. Aber sogar das ist mir mittlerweile egal. Was würde es schon ändern? Sie wäre noch besorgter um meinen Zustand, als sie es ohnehin schon ist. Und es würde dennoch alles beim Alten bleiben. Nicht, dass sie mir egal wäre, ganz und gar nicht, aber sie kann mir nicht helfen, und ich weiss, dass ich nichts tun kann, um ihr die Last von den Schultern zu nehmen. Ich kann nicht einfach normal essen. Ich kann nicht einfach normal denken. Ich kann nicht glücklich sein. Ich kann noch nicht einmal leben. Ganz besonders nicht hier, nicht in diesen vier Wänden. Ich fühle mich so eingeengt, so gefangen, so, als ob mir jemand die Luft nehmen würde. Und ich habe aufgefhört, darum zu kämpfen. Wozu auch? Ich würde ohnehin verlieren.
Ich sei schwer suizidal, sagte meine Therapeutin gestern. Da sitzt man dann irgendwann in einem Ledersessel in einer psychoanalytischen Praxis und nimmt plötzlich wahr, dass die nette Frau, die einem gegenüber sitzt, sich ernsthafte Sorgen macht. Spätestens wenn sie einem mit ernsten Gesicht darum bitte, sich nichts anzutun, wird einem dann bewusst, wie tief man schon gefallen ist. Und ich bin gefallen. Ich musste ihr versprechen, bis zur nächsten Sitzung zu überleben. Natürlich habe ich das getan, was hätte ich auch sonst sagen sollen. Natürlich werde ich dieses Versprechen einhalten, obwohl ich nicht so recht weiss, warum eigentlich. Vielleicht, weil ich sie nicht enttäuschen will - ich mag sie wirklich.
'...Über den Dächern
Ist es so kalt und so still
Ich schweig' deinen Namen
Weil du ihn jetzt nicht hören willst
Der Abgrund der Stadt
Verschlingt jede Träne, die fällt
Da unten ist nichts mehr
Was dich hier oben noch hält
Ich schrei' in die Nacht für dich
Lass mich nicht im Stich
Spring nicht...'
Ein Textauszug aus einem Lied, von dem ich nie geglaubt habe, es jemals zu mögen, doch es trifft zu, besser könnte ich die Gedanken in meinem Kopf nicht ausdrücken. Anders vielleicht, aber nicht besser. Und nun sitze ich vor dem Bildschirm, höre immer wieder dasselbe Lied und wünsche mir nichts sehnlicher, als endlich weinen zu können. Doch obwohl der Text tieftraurig ist und ich jede einzelne Zeile mitfühlen kann, sind da keine Tränen mehr. Ich friere lediglich, sehr sogar, und wahrscheinlich werde ich mich vor dem Schlafengehen ein drittes Mal unter die heisse Dusche stellen. Aber wer will das schon wissen?
'...Die Lichter fangen dich nicht
Sie betrügen dich
Spring nicht
In deine Augen
Scheint alles sinnlos und leer
Der Schnee fällt einsam
Du spürst ihn schon lange nicht mehr...'
Wie wahr. Gefühllosigkeit in ihrer vollkommensten Form. Ich bin da und doch weit weg - sitze in meinem Glashaus, einsam, allein [weil ich Nähe nicht mehr zulassen kann] und zittere. Vor Angst, vor Kälte, vor Hass und Wut auf mich selsbt. Und da sagt mir eine Stimme aus der Musikanlage, ich solle nicht springen. Du kennst mich doch gar nicht! Wie kannst du sowas von mir verlangen? Diese Stimme kann es nicht, aber meine Therapeutin. Obwohl die innere Leere nicht verschwunden ist, weiss ich doch irgendwie, dass ich zumindest bis zum nächsten Freitag nicht sterben werde. Ich kann nicht - ich habe es ihr doch versprochen, habe ihr zugesichert, dass ich in einer Krisensituation auf der psychiatrischen Notfallstation vorbeigehen werde. Warum bloss habe ich das Gefühl, mich auf genau eine solche Krise zuzubewegen? Sterben - es wäre so... erlösend, erleichternd, einfach, beruhigend. Und endgültig. Aber ich werde es bleiben lassen. Schliesslich habe ich es doch versprochen. Ich kann ein Versprechen nicht brechen.

6.1.08 23:45


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