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.:Weiterer Weg:.

Heute - nein, es ist bereits gestern - war ich seit fünf Wochen zum ersten Mal wieder bei meiner Therapeutin. Sie hat sich gefreut, mich zu sehen [was auf Gegenseitigkeit beruht], und es hat ihr sehr Leid getan, dass die stationäre Therapie so schlecht verlaufen ist. Vieles, was dort geschehen ist, konnte sie genauso wenig verstehen und akzeptieren wie ich. Wir sind uns wirklich ziemlich ähnlich. Nun wollen wir gemeinsam weitersehen, einen neuen Weg in Richtung Gesundwerden suchen. Und einmal mehr weiss ich nicht, ob ich das überhaupt wirklich will. Gestern [vorgestern] bin ich mit meinem Pferd zum ersten Mal seit langem wieder alleine ausgeritten [nicht ganz, mein Hund war auch dabei], und es war traumhaft. Dafür würde es sich lohnen, die Essstörung endlich hinter mir zu lassen. Und dafür, dass ich nun endlich mit Kickboxen anfangen darf. Und dafür, dass ich wieder zur Schule gehen kann. Und dafür, dass ich endlich arbeiten kann. Und... Es gibt so viele Gründe, warum ich gesund werden sollte. Der Haken ist nur, dass die Krankheit in mir so stark ist, dass ich mit meinem jetztigen Gewicht [das ich nicht nennen möchte] nicht umgehen kann, es ist zu viel, ich bin zu viel, bin zu sehr da, nehme zu viel Platz in der Welt ein. Und ich möchte mein kleines Versteck nicht verlassen. Die Essstörung ist mir so vertrau, so überschaubar - ich kann nicht ohne sie leben, und ich bin mir gerade ziemlich sicher, dass ich es auch nicht will. Nicht wirklich. Die Sehnsucht nach einer kleinen Zahl auf der Waage ist unendlich, ich kann sie nicht überhören oder verdrängen. Ich muss es tun, muss wieder hungern - nur ein Bisschen, nur einige wenige Kilogramm. Und dann? Beginnt wieder alles von vorne? Eigentlich habe ich schon einen grossen Schritt geschafft, doch ich bin drauf und dran, ihn wieder rückwärts zu gehen. Zurück in die Krankheit, zurück in meine eigene kleine Welt, zu der niemand Zugang hat. Hier bin ich sicher, und das ist es doch, wonach ich mich so sehr sehne - Sicherheit, Schutz. Etwas, das mir die Realität nicht bieten kann, und ich selbst erst recht nicht. Hungern; es tut mir, doch ich kann nicht anders. Wird das wirklich mein weiterer Weg sein?

1.3.08 01:27


.:Rückzug:.

Würde ich lügen wenn ich sagte, dass es mir leid tut? Ich weiss es nicht, eigentlich bin ich einmal mehr an dem Punkt angelangt, an dem ich sowieso überhaupt nichts mehr weiss. Nicht, weil sich mein Gehirn durch die ständigen Hunger- und Kotzphasen langsam aufzulösen beginnt, sondern weil ich schlicht nichts mehr wissen will. Nicht von der Welt da draussen und nicht von mir selbst. Der einzige Bezug zur tristen Realität ist mein Pferd. Ich habe heute mehr Zeit als vorgesehen im Sattel verbracht, und es war befreiend, sehr sogar. Nicht nachdenken müssen, es aber dennoch ungestört tun können - frei sein. Reiten, sich einfach tragen lassen von einem wahren Freund, überall hingehen können, ohne auf die Zeit Rücksicht nehmen zu müssen, ohne andere Menschen zu erdulden und jemandem Rechenschaft über etwaiges Handeln ablegen zu müssen. Aber genug geträumt. Zurück zum Moment. Ich bin kurz davor, mir erneut in den Arm zu schneiden. Nicht, weil es mir schlecht geht und ich einen inneren Druck nicht ertragen kann, sondern weil ich nichts mehr fühle. Ich weiss nicht, wie ich mit der Leere in mir umgehen soll. Und so versuche ich, einen harmloseren Weg zu gehen - ich schreibe mich einmal mehr aus der Welt, Buchstabe für Buchstabe etwas weiter weg von hier. Doch da brodelt etwas in mir, noch ist es vom Verstand und der gesunden Seite in mir verdeckt, doch lange wird dieser Überzug aus vernünftigen Argumenten nicht mehr dicht genug sein. Ich spüre es, spüre die Veränderung, die in meinem kranken Kopf stattfindet. Und ich muss mich langsam weiter vortasten, um herauszufinden, was ich eigentlich will - gesund werden oder chronisch krank bleiben? Unlängst habe ich tatsächlich einen Artikel über chronsiche Magersucht gelesen, und ich war fasziniert von dem Gedanken, zu diesen zirka fünfzig Prozent der Erkrankten zu gehören, die ihre Essstörung niemals ganz loswerden. Was, wenn ich zwar aus der akuten Phase herauskäme, jedoch niemals einen Bodymassindex von über siebzehnkommafünf erreichte? Siebzehnkommafünf, das ist die Grenze zur Anorexie. Und ich muss mir eingestehen, dass ich sie, die Magersucht, nicht loswerden will. Ich bin nicht bereit dazu, diesen Teil von mir aufzugeben. Und im selben Atemzug, in dem ich diese Worte schreibe, tut es mir unendlich leid - für all die Menschen, die mit mir hoffen, an mich glauben und sich so sehr eine Genesung wünschen. Doch ich kann es nicht; die Anorexie ist stärker als ich es je sein werde, und ich bin zu schwach, um gegen sie anzukämpfen. Denn ich weiss, dass es ein lebenslanger Kampf sein würde - verpasste ich nicht etwas, das Leben, wenn ich in den Krieg ziehen würde? Ständig nur kämpfen mit dem Wissen, niemals vollständig gewinnen zu können - das kann es doch nicht sein, was die Menschheit als 'gesund' bezeichnet? Wie dem auch sei, für meine Begriffe bedeutet Gesundsein etwas anderes. Und wenn ich die Krankheit schon nicht loswerden kann, wäre es da nicht lebenswerter, sie zu akzeptieren, mich einigermassen mit ihr zu arrangieren? Waffenstillstand sozusagen; ich lasse sie am Leben, und sie lässt mir etwas Luft, um frei atmen zu können. Wir gingen unsere Wege parallel, und ab und an träfen wir uns wieder, um ein Standortgespräch zu führen sozusagen. Warum nicht? Es ist an der Zeit, der Essstörung wieder etwas mehr Platz in mir einzuräumen. Warum? Weil ich so nicht leben will, mich nicht wohl fühle. Es muss etwas geschehen. Fragt sich nur, ob ich im entscheidenden Moment die Notbremse ziehen können werde. Aber das ist eine andere Geschichte. Vorerst ziehe ich mich in meine kleine Welt zurück - überschaubar, Sicherheit spendend.

2.3.08 00:39


.:Aufgeben:.

Ein Eingeständnis, für den Moment zumindest: ich will nicht gesund werden. Mein Gewicht ist nun zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr im Normalbereich, und ich kann es nicht ertragen. Jedes Gramm ist zu viel, viel zu viel und weitaus mehr, als ich ertragen kann. Ich kann nicht mehr duschen, ohne dabei zu weinen, weil ich mich so sehr vor meinem Körper ekle. Ist das ein normales Leben? Nein, gewiss nicht. Ich sehne mich mit gefährlicher Intensität nach meiner Zeit mit der akuten Magersucht zurück, will endlich wieder das Hungegefühl im Bauch spüren, den beissenden Schmerz, wenn man einen Tag lang nichts gegessen hat und die innere Überlegenheit gegenüber dem Körper, wenn man vor Schwäche kaum noch die Treppe hockommt. Das ist der Preis für eine Hülle, in der es sich aushalten lässt. Ich weiss, dass es mir auch mit vierzig Kilogramm nicht gut ging, aber ich konnte mich einigermassen anschauen, immerhin. Das ist nun vorbei. Am liebsten würde ich mich in meinem Zimmer einschliessen und erst wieder nach vorne kommen, wenn ich die Grenze zur Anorexie erneut durchbrochen habe. Klinisch magersüchtig - sag mir, warum es sich gut anhört. Ich kann nicht anders. Brauche den Hunger und vergesse das Leben. Es ist kein Leben, von ständigen Heulkrämpfen geschüttelt zu werden, weil die Hose wieder ein bisschen enger sitzt. Ich kann es nicht ertragen, halte den inneren Druck nicht mehr länger aus. Ich fühle mich, als wäre ich in der Klinik gemästet worden und wünsche mir nichts mehr, als die Zeit zurückzudrehen - zurück in den vergangenen Herbst, bevor ich zum ersten Mal die stationäre Therapie in Anspruch genommen habe. Damals, als ich noch kämpfen wollte. Der Wille ist nun verflogen - ich kann und will nicht mehr gesund werden. Nicht, wenn dieser grenzenlose Selbsthass der Preis dafür ist. Es geht nicht, ich bin am Ende meiner nervlichen Belastbarkeit. Und ich gebe auf, verwerfe den Wunsch, gesund zu werden, normal zu sein - ich will kein Normalgewicht haben, weil ich damit absolut nicht leben kann. Untergewicht, Essstörung, Anorexia nervosa - meine Welt, und ich brauche sie, brauche sie so sehr.

2.3.08 23:53


.:Fluchtpläne:.

Es steht fest, in diesem Moment; ich muss weg von hier. Wohin auch immer, aber ich muss weg. Für wie lange, ich weiss es nicht. Nur verschwinden, nachdenken, irgendwohin, wo mich niemand kennt, wo niemand mit mir über Essstörungen und Selbstverletzung spricht. Zu Hause falle ich ständig in das bekannte Muster aus hungern, essen und erbrechen zurück - zuletzt sogar so tief, dass mich die Bulimie ins Krankenhaus gebracht hat. Ich habe gestern anstatt Lebensmittel Blut erbrochen und der Fressanfall endete in der Notaufnahme. Heute wurde dann eine Endoskopie vorgenommen - das Resultat ist ein Riss in der Magenschleihmhaut und eine entzündete Speiseröhre [was erst festgestellt wurde, als der Chefarzt die Bilder angeschaut hat]. Hinzu kommt eine heftige Schwellung auf dem rechten Handrücken, weil die Schwester vergeblich versucht hat, eine Infusion zu legen; durch meine Anämie war mal wieder zu wenig Blut in der Vene.  Aber das nur am Rande, denn eigentlich geht es nicht um körperliche Beschwerden. Ich erwarte kein Mitleid oder ähnliches - schliesslich bin ich selbst an meiner Situation Schuld. Wie dem auch sei, ich muss weg von hier. Raus aus diesen vier Wänden, nach denen ich mich in der Klinik noch sehr gesehent habe. Eigentlich wollte ich mir die Tagesklinik anschauen, dachte, es sei die perfekte Lösung für mich, doch nun bin ich nicht mehr wirklich überzeugt. Es würde sich nichts ändern, ich würde genauso weiteressen, hungern und kotzen wie jetzt. In meinen Gedanken dreht sich alles. Wohin? Wie lange? Und wäre das wirklich die Lösung? Ich weiss es nicht, weiss nur, dass ich hier niemals gesund werden kann. Aussichtslos. Es war eine hübsche Illusion, vielleicht weil meine Krankheit einen Grund suchte, um die Klinik verlassen zu können. Ich bezweifle nicht, dass diese Klinik der falsche Ort für mich war, doch ich bezweifle stark, dass ich zu Hause wirklich gesund werden kann. Doch was ist die Alternative? Eine Privatklinik können wir uns nicht leisten. Einen Auslandaufenthalt ebenfalls nicht, und ich könnte ohnehin nicht weg von meinem Pferd. Jedenfalls nicht für so lange Zeit. Dennoch träume ich davon, einfach zu verschwinden - und sei es nur für ein paar Tage, ich würde so gerne das Meer sehen, in der Weite des Wassers meine Gedanken wegspülen. Und zur Ruhe kommen, einfach atmen können. Ich würde wirklich vieles dafür tun. Auch wenn ich weiss, dass es nicht geht. Aussichtslos. Es bleibt bei gedankenlichen Fluchtplänen.

5.3.08 00:15


.:Unendlich:.

Endlose Worte, Gedichte und Geschichten in meinem Kopf. Fremde und eigene Sätze vermischen sich, Gedanken rasen um meinen Verstand und lassen sich nicht ordnen. Egal. Ich - wo - wer - was? Und vor allem warum? Ich weiss es nicht, weiss eigentlich gar nichts mehr. Alles ist zu viel, am allermeisten ich selbst. Zu schwer für diese Welt und irgendwie fehl am Platz. Ich muss weg von hier - ich. Immer nur ich. Egoistin. Wie geht es den Menschen um mich herum? Interesse? Sorge? Angst? Verschwommene Wahrnehmung. Gedankenreise in die vergangen Wochen - Klinikzeit. Wie es ihnen wohl geht? Egal, es kümmert mich nicht. Oder doch? Ich denke nach, glaube, es niemals zu Hause schaffen zu können. Hungern, fressen, kotzen - es ist kein Leben mehr. Ich will flüchten, weg von hier. Erwarte nicht, dass jemand diesen Text am Ende verstehen wird - ich tue es selbst nicht, es sind nur Gedankensplitter zu später Stunde, die irgendwie aus meinem Kopf raus müssen, um mir wenigstens eine geringe Chance auf Schlaf einzuräumen. Unwichtig, alles irrelevant. Ein Brief, ich habe ihn endlich zur Post gebracht - kaum zu glauben, dass ich eine Tätigkeit tatsächlich beendet habe. Gestern Nacht verfasst, heute abgeschickt. An wen? Unglaublich - an eine Klosterschwester. Sie hat mir vor viereinhalb Jahren geschrieben, und gestern habe ich geanwortet. Zum ersten Mal, einfach so. Warum? Ich weiss es nicht. Bestimmt nicht, weil ich plötzlich meinen Glauben suche. Ich bin alles andere als gläubig. Und dennoch fasziniert mich die Hingabe, mit der diese Menschen ihr Leben ganz und gar einem möglicherweise nicht existierenden Gott widmen. Wie kann man sich einer Sache nur so sicher sein? Wie kann man aus etwas nicht Beweisbarem so viel Kraft schöpfen? Ich würde es gerne von ihr erfahren, und wenn ich Glück [oder was auch immer] habe, darf ich bald eine Antwort auf all meine Fragen lesen. Und in meinem Kopf spinnen sich erste Zukunftsfäden zusammen. Hinfahren, sie besuchen, mit ihr sprechen. Vielleicht, irgendwann. Zur Ruhe kommen - ein Wunschtraum. Doch ich, ausgerechnet ich in einem Kloster? Seltsamer Gedanke, doch ich habe in den vergangenen Monaten einige Stunden in einer riesigen Kirche verbracht, um für einen Moment alleine zu sein. Dieser Ort tut mir gut. Obwohl ich ihn nicht nutze, um mit Gott ein Zwiegespräch zu führen [wie auch, wenn ich seine Existenz bezweifle?]. Einfach nur, um durchzuatmen. Ist auch eigentlich unwichtig - schliesslich ist es nicht verboten, sich einen solchen Zufluchtsort auch als ungläubiger Mensch zu suchen. Warum also nicht auch ein paar Tage in einem Kloster verbringen? Aber das ist eine andere, weit entfernte Gesichte. Ich weiss ja nicht einmal, ob ich eine Antwort auf meinen Brief erhalten werde. Doch ich hoffe es. Anderes Thema - ich weiss einmal mehr nicht, was ich fühle, fühlen soll. Ungewissheit, Angst. Alles seltsam, haltlos - ich schwebe. Schon wieder. Möchte Leichtigkeit fühlen, Hungrig sein. Lebenshungrig? Todeshungrig? Ungewiss. Doch ich fühle mich unendlich. Nur heute Nacht.

6.3.08 00:12


.:Stimmungstief:.

Ich versinke in ungeweinten Tränen. Alles ist schwarz und ich habe es aufgegeben, nach einem Licht zu suchen. Egal - das perfekte Stichwort für meine Gefühlslage. Die Narkose vom Dienstag hängt noch immer in meinem Körper, und ich fühle mich müde und erschöpft, so, als hätte mir jemand das letzte bisschen Kraft aus den Adern gezogen. Meine rechte Hand schmerzt noch immer, weil die nette Krankenschwester nicht wirklich gut stechen konnte. Aber das nur am Rande. Ich habe heute beschlossen, ab morgen eine Woche lang zu fasten. Krank in meinem Fall, ich weiss das und ignoriere es. Doch ich habe das Bedürfnis, Hunger zu verspüren, endlich einmal wieder richtig leer zu sein - so, wie ich mich innerlich fühle. Ich brauche es, mich nur auf eine einzige, simple Sache zu konzentrieren. Meine Mum weiss Bescheid, und sie macht sich Sorgen, will mich davon abbringen; sinnloser Versuch. Ich habe es mir in meinen sturen Kopf gesetzt und werde es tun, ohne Rücksicht auf Verluste. Kleine Egoistin, ja, und wenn schon. Schliesslich bin ich jetzt, wo es mir schlecht geht, auch allein. Nicht, weil sich kein Mensch für mich interessiert, sondern weil ich es nicht anders haben will. Ich will keine Nähe, ertrage sie nicht. Meine Welt - sie gehört nur mir, und ich werde mich für eine Weile dahin zurückziehen. Paradox, dass ich ausgerechnet am nächsten Mittwoch einen Termin bei der Ernährungsberatung habe. Um wieder einen normalen Essensrhytmus zu erlernen. Absurd, lächerlich. Aber ich kann mir ja mal anhören, was die gute Frau zu sagen hat. Ich kenne sie schon, war bereits im August irgendwann mal bei ihr, damals allerdings mit etwa acht Kilogramm weniger. Wie ich mich doch nach dieser Zeit zurücksehne! Ja, ich war zu schwach, um mein Pferd zu reiten. Ja, ich habe sogar im Sommer entsetzlich gefroren. Ja, ich konnte mich nicht auf die Schule konzentrieren. Ja, ich hatte kein Leben mehr - aber ich konnte in den Spiegel schauen. Und dieses Gefühl war so überwältigend, dass ich all die Kraft, die ich durch die Zunahme jetzt wieder habe, dafür aufgeben würde. Erneut zurück in die Krankheit. Die Sehnsucht in mir ist so gross, dass ich es kaum ertragen kann. Wenn ich morgen aufwachen würde und die Zeit zurückdrehen könnte, ich täte es ohne zu zögern. Nur ein paar Monate, vielleicht bis August oder Juli. Und ich würde niemals wieder in diese Klinik zurückgehen. Krank bleiben, irgendwie überleben. Es ist ein egoistischer Traum, ich weiss das, und es tut mir leid [wirklich], dass ich so denke. Doch ich kann es nicht ändern. Will wieder zurück, wieder fünfundvierzig Kilogramm wiegen oder weniger. Dünn sein, dürr sein, nachts aufwachen,w eil die Knochen vom Liegen schmerzen. In der Strassenbahn stehen müssen, weil die Sitze zu hart sind. Und nicht mit den Anforderungen des Lebens klarkommen müssen. Eine Entschuldigung für alles haben. Ich bin es so leid, irgendwelche Wünsche erfüllen zu müssen, die nicht meine sind. Denn meine eigenen werde ich nicht erfüllen können. Niemals wieder, dieser eine Traum bleibt auf ewig zerstört. Und ich kann nichts dagegen tun. Warum also nicht das tun, was mir ebenso viel Halt gibt? Hungern. Sehnsucht danach. Stark, übermächtig. Ich kann nicht anders. Lasst mich los. Es ist mehr als nur ein Stimmungstief.

7.3.08 00:36


.:Sehnsucht:.

Das Gefühl zerreisst mich - bittere Sehnsucht nach der Anorexie. Ich kann sie nicht loslassen, kann nicht aufgeben, was sie mir einst schenkte; Sicherheit, vermeintlich zwar, aber dennoch hatte ich meine eigene kleine Welt. Ich brauche sie, brauche sie, um atmen zu können. Es geht nicht anders, geht nicht ohne die tödliche Krankheit. So gross ist in mir die Sehnsucht, dass ich es kaum noch ertragen kann. Hungern, weniger werden, Kontrolle - es gehört alles so sehr zu meinem Leben, dass ich nicht anders kann, als mich der Sucht erneut hinzugeben. Meinen Fastenplan musste ich auf morgen verschieben, doch er steht, ist stark in meinem kranken Kopf verankert und lässt mich nicht mehr los. Eine Woche lang keine Nahrung - ich kann es, das weiss ich, obschon es der erste Versuch seit Jahren sein wird. Damals, als alles angefangen hat, habe ich im Alter von vierzehn Jahren einmal drei Monate lang nichts gegessen, wirklich gar nichts, und ich habe mehr oder weniger überlebt. Warum sollte ich also an einer einzigen Woche scheitern? Nein, damit beschäftige ich mich gar nicht erst - ich will abnehmen, muss weniger werden, es ist zu viel von mir da. So viel Platz ist für mich nicht vorgesehen, und ich vermisse das Gefühl des Hungerns zu sehr, als dass ich es leugnen oder verdrängen könnte. Leere; so, wie ich mich innerlich fühle, soll auch mein verhasster Körper ausharren. Komplimente mit den Worten, ich sähe gut/gesund aus, schmerzen, denn für mich bedeutet es nur, dass man mir die Gewichtszunahme deutlich ansieht. Das ist mehr, als ich ertragen kann. Denn auch wenn mein Verstand mir sagt, dass mein jetziges Gewicht der erste Schritt zu einem gesunden Leben ist, ist die Krankheit in mir doch so stark, dass ich ihre Stimme nicht überhören kann - hungern, leer sein, Erfolg, messbar an simplen Zahlen auf der Waage. Wie kann mir das ganze Thema so wichtig sein? Möglich, dass sich das der ein oder andere Leser fragt [nein, ich spreche niemand bestimmten an], doch ich kann es nicht erklären. Die Welt der Essstörungen ist eine eigene Welt, klein und überschaubar, mit klaren Regeln und gemessen an der Realität realtiv leicht zu bewältigen. Nur jemand, der selbst betroffen ist, kann diese Sehnsucht nach weniger verstehen. Und das ist es eigentlich auch, was uns Essgestörten so sehr um unsere Welt kämpfen lässt. Das ist der Grund, warum wir uns in Internetforen zusammenschliessen und virtuelle Zwillinge suchen, warum wir Diät- und Fastenpläne austauschen und uns gegenseitig trösten, wenn die Waage zweihundert Gramm mehr anzeigt als am Vortag und wir uns deswegen widerlich und fett fühlen. Wir brauchen unsere Welt, weil wir mit der wirklichen Welt da draussen nicht zurecht kommen. Problemverschiebung, ja, doch wir können eben nicht anders. Wir können wirklich nicht, so sehr wir es auch versuchen. Möglicherweise haben wir sogar schon einige Therapieversuche hinter uns, doch die Krankheit war immer wieder stärker, und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich chronisch essgestört bin - mein Denken wird sich nie wieder ändern. Ich bin nicht 'normal', mein Gehirn ist anders programmiert als das der grossen Bevölkerung. Aber das ist eine andere Geschichte. Momentan zählt nur die Sehnsucht nach Hunger, der Hunger nach weniger sozusagen.

7.3.08 13:23


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