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.:Euphorie und Depression:.

Das Zimmer ist in Kerzenlicht gehüllt, warm und beruhigend. Ich bin zu müde, um etwas Produktives zu Stande zu bringen und zu wach, um schlafen zu gehen. Am Donnerstag habe ich einen neuen Termin in der Klinik für das medizinische Vorgespräch. Und dann wird wohl noch das letzte Vorgespräch folgen, bevor ich mich entscheiden werde, ob ich in die Tagesklinik gehen werde. Doch momentan tendiere ich eher zur stationären Therapie. Dafür müsste ich dann aber zu einem neuen Vorgespräch, weil es eine andere Abteilung ist. Aber das hat noch etwas Zeit. Erst einmal will ich die nächsten Termine abwarten. Meine Therapeutin hat mir heute einen elektronischen Brief geschickt, in dem sie fragte, wie es mir geht und wie ich mit der neuen Medikamentendosierung klarkomme. Sie macht sich wohl ziemliche Sorgen, weil ich beim letzten Gespräch am Freitag so depressiv war. Bin ich das nicht noch immer? Ich war heute Morgen auf der Waage und bin beinahe erleichtert, weil ich eigentlich mit etwa einem Kilogramm mehr gerechnet habe. Ich will unbedingt versuchen, mich nicht mehr jeden Tag zu wiegen. Das macht mich beinahe verrückt. Das nächste Mal will ich erst am Donnerstag wissen, wie viel ich wiege. Die Krankheit in mir hofft auf weniger [um einiges weniger]. Und die gesunde Seite schweigt dazu. Mein Zielgewicht sinkt ständig, und ich weiss, dass es gefährlich werden könnte. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich will jetzt nicht darüber nachdenken, bin zu müde für solche Rechnereien. Um noch einmal auf die Frage meiner Psychiaterin einzugehen - ich bin durcheinander von meinen Gefühlen. Selten waren sich Depression und Euphorie so nahe wie zur Zeit. Ich bin heute Mittag aufgewacht und mein erster Gedanke war der, dass ich lieber weiterschlafen würde. Leider war ich nicht mehr müde. Die Motivation, mich zu irgendwas aufzuraffen, fehlte gänzlich. Irgendwann am späten Nachmittag habe ich mich dann aufs Fahrrad gesetzt und bin zum Stall geradelt [mein Drahtesel ist endlich wieder fahrtauglich - und ich kann Kalorien verbrennen]. Dort angekommen, hat mich mein Pferd mit einem leisen Wiehern begrüsst. Und als ich seine dunklen Augen gesehen habe, war die depressive Stimmung verschwunden. Einfach so. Ich habe still lächelnd das weiche Pferdefell gestriegelt und mich irgendwie seltsam wohl gefühlt. Anschliessend bin ich mit dem einen Sohn des Stallbestitzers ausgeritten. Er hat von seiner Reise nach Indien und Thailand erzählt, von der er gerade mal eine Woche zurück ist. Ende April wird er wieder nach Indinen fliegen, um dort zu fotografieren [ausser dem Reiten eine weitere gemeinsame Leidenschaft]. Ich beneide ihn irgendwie darum - die Welt sehen, sich selbst finden. Jedenfalls stelle ich mir das so vor. Es war unglaublich interessant, was er zu berichten hatte. Wir hätten wohl vier Stunden ausreiten können und der Gesprächsstoff wäre uns dennoch nicht ausgegangen. Aber das nur am Rande. Jedenfalls war der Ausritt sehr schön. Sonst reite ich eigentlich immer alleine, doch es war schön, einmal mit jemandem gemeinsam durch den Wald zu streifen. Und bevor nun irgendwelche Spekulationen auftauchen - ja, ich mag ihn. Nicht mehr und nicht weniger. Aber auch das ist eine andere Geschichte.
Nun sitze ich hier, habe meine Medikamente und eine Überdosis Abführmittel geschluckt [weil ich nicht ebrechen konnte] und warte darauf, richtig müde zu werden. Was ich fühle? Ich weiss es nicht. Der Tag war hell und dunkel zugleich, und ich bin mir nicht sicher, was in mir vorgeht. Genau das habe ich auch meiner Therapeutin geschrieben. Bestimmt wird sie morgen antworten, wie immer. Und dann? Ich habe sie gefragt, ob ich die Dosis des Beruhigungsmittels, das ich nehme um schlafen zu können, wieder erhöhen darf, weil ich nachts keine Ruhe finde. Hoffentlich stimmt sie zu. Ansonsten warte ich noch auf die Wirkung des Antidepressivums, von dem ich nun einhundertfünfzig Milligramm nehme. Aber das wird noch dauern. Und bis dahin werde ich wohl weiterhin zwischen Euphorie und Depression schweben. Irgendwo. Nirgendwo.

1.4.08 00:12


.:Elementarfragen:.

Ich stehe an einem Wendepunkt und fühle mich verloren. Die vielleicht wichtigste Frage meines bisherigen Lebens steht in grossen Buchstaben vor meinen Augen geschrieben, und ich weiss bei allem Überlegen keine Antwort darauf. Dabei wäre es so wichtig, so entscheidend für alle weiteren Handlungen; will ich wirklich gesund werden? Das hat nun nichts damit zu tun, dass ich manchmal das Gefühl habe, es nicht zu können sondern nur damit, ob ich es will. Die Essstörung loslassen - und was dann? Sie ist ein Teil von mir, und ich habe furchtbare Angst, dass mir etwas Riesiges in meinem Leben fehlen würde ohne sie. Sie nimmt einen so grossen Teil von mir ein, dass ich einfach nicht glaube, die entstandene Lücke mit etwas anderem füllen zu können. Und so sitze ich nun, nach einem zweieinhalbstündigen Ausritt, während dem ich eine Menge nachgedacht habe, mitten in der Nacht vor dem Bildschirm und werde die Gedanken in meinem Kopf nicht los. Gesund werden? Krank bleiben? Mit der Essstörung leben? Letztere wäre mir die liebste Variante, doch ich weiss nicht, ob das wirklich möglich ist. Kann ich mit einer Krankheit wirklich leben? So, wie andere Menschen mit Aids oder einer Behinderung leben, weil sie es müssen? Darf ich diesen Vergleich überhaupt aufstellen, ohne jemanden zu verletzen? Ich möchte damit auf keinen Fall sagen, dass eine Essstörung mit einer Behinderung oder eine unheilbaren physischen Krankheit gleichzusetzen ist! Es ist nur so, dass mich diese Gedanken verfolgen, so sehr, dass ich das Gefühl habe, jetzt und hier eine Antwort auf meine Fragen finden zu müssen. Ist es möglich, mit einer psychischen Krankheit wirklich leben zu können? Es ist nicht so, dass Essstörungen nicht heilbar wären, doch es ist noch immer der höchste Przentsatz der Erkrankten, die ein Leben lang mit dem Essen und ihrem Gewicht zu kämpfen haben. Warum also sollte ausgerechnet ich zu den zehn Prozent gehören, die dauerhaft geheilt werden? Ich kann es mir nicht vorstellen. Vielleicht ist das mein Problem - ich kann mir auch mit dem grössten Farbkasten kein Leben ohne die Essstörung ausmalen. Es geht einfach nicht, ein Teil von mir hält zu sehr an der Krankheit fest. Und zur Zeit ist dieser Teil wieder unheimlich stark. Deswegen bin ich mir nicht sicher, ob ich gesund werden will. Denn dass ich eine Chance hätte, wenn ich es denn wirklich wollte, steht ausser Frage. Ob ich denn auch wirklich Erfolg hätte, weiss ich natürlich nicht, doch die Chance bestünde. Schliesslich werde ich von einer sehr kompetenten Psychiaterin und einer erfahrenden Allgemeinärztin betreut, habe eine Familie, die ausnahmslos zu mir steht, besitze ein tolles Pferd, das mir viel Freude bereitet, bin nicht vollkommen intelligenzfrei und habe die Möglichkeit, einen sehr guten Schulabschluss zu machen, um danach zu studieren, was immer ich will. Die Chancen auf ein wirkliches Leben stünden nicht schlecht, durchaus nicht. Nur - will ich das? Ohne die Essstörung leben? Normalgewichtig sein? Gesund sein? Den Anforderungen des Alltags gerecht werden? Ich gebe es zu: ich habe eine unheimliche Angst davor. Sie ist so immens, dass ich es nicht wage, ihr ins Gesicht zu schauen. Doch sie ist da, immer da, verfolgt mich auf die Waage und sagt mir, dass ich zu sehr da bin. Weniger werden - der Wunsch steht an erster Stelle meiner Erledigungsliste. Ich will abnehmen, das weiss ich. Und doch stellt sich mir die Frage, ob ich das bis an mein Lebensende will. Ich hätte so viele Möglichkeiten - und ich werde das Gefühl nicht los, sie zu verwerfen, einfach so. Ich möchte nicht aufzählen, was ich alles kann und könnte, wenn ich will und wollte. Denn der Punkt ist der, dass ich einfach nicht weiss, ob ich will. Ein schlichtes Problem ohne Lösungsansatz. Gesund werden? Krank bleiben? Nichts von beidem. Ich will mit der Krankheit leben. Für immer ein Recht auf meine kleine Störung haben und doch im Leben stehen, mir meine kleine Welt der Krankheit als Zufluchtsort offen halten sozusagen. Nur, ist das möglich? Und was, wenn nicht? Gesund oder krank? Eine Elementarfrage.

2.4.08 01:02


.:Klinik:.

Soll ich? Soll ich nicht? Ich weiss es nicht. Heute Morgen war ich beim Termin für das medizinsche Vorgespräch in der Klinik. Der Arzt war irgendwie seltsam. Unsympathisch. Es gibt solche Menschen. War aber nicht weiter tragisch, weil ich ja nicht mein ganzes [psychisches] Innenleben vor ihm ausbreiten musste. Er hatte lediglich ein paar Fragen zu meinem Essverhalten, dann hat er mich abgehört und den Blutdruck gemessen. Achzig zu sechzig. Puls achtundvierzig. Viel zu niedrig, aber das Elektrokardiogramm war in Ordnung. Das hat übrigens eine nette Krankenschwester gemacht, genau wie die Blutentnahme [sie musste zweimal stechen, weil ich noch immer unter Anämie leide]. Darüber war ich sehr froh, weil ich mich für die Herzrhytmusmessung ausziehen musste, was vor dem ohnehin unsympathisch Arzt mehr als unangenehm gewesen wäre. Soviel also dazu. Nicht weiter spektakulär das Ganze. Am nächsten Mittwoch werde ich noch einmal in die Klinik fahren, dann für das letzte Vorgespräch in der Tagesklinik. Ich bin nun mit meiner ambulanten Therapeutin so verblieben, dass ich mir die stationäre Abteilung auf jeden Fall ansehen werde und mich dann entscheide, ob ich es noch einmal mit einem Klinikaufenthalt versuchen soll. Aber das hat noch etwas Zeit. Nun bin ich ausserdem zu müde, um näher auf mein Gedankenchaos einzugehen.
Als ich heute in die Klinik kam, habe ich meine ehemalige Mitpatientin aus der alten Klinik [die, mit der ich mich so gut verstanden habe] wiedergesehen. Sie ist nun stationär in der neuen Klinik und hofft sehr, dass ich es ihr gleichtun werde. Wahrscheinlich wäre es wirklich das Beste, ganz unrecht hat sie damit nicht [auch wenn sie natürlich in erster Linie daran denkt, dass wir wieder zusammen wären]. Es war schön, sie wiederzusehen. Gut sieht sie aus mit ihren zehn Kilogramm mehr auf den noch immer sehr schmalen Schultern. So richtig nach Leben. Obwohl sie natürlich alles andere als glücklich darüber ist, verständlich, schliesslich geht es mir nicht anders [nur, dass es bei mir zum Glück nicht zehn Kilogramm sind]. Ich wünsche ihr sehr, dass sie 'die Kurve kriegt' und wirklich gesund wird. Nicht auszuschliessen, dass wir bald wieder in derselben Klinik sind. Aber sicher bin ich mir noch nicht. Es hat ja auch noch etwas Zeit. Dennoch kreisen meine Gedanken ständig um die Klinik. Stationär? Teilstaionär? Oder doch ambulant? Ich weiss es einfach nicht.

4.4.08 01:37


.:Sturmwetter:.

Verschwinden - Traumvorstellung. Eine andere Welt, das ist es, was ich brauche. Jetzt, hier, so schnell wie möglich entfliehen. Wohin? Ich weiss es nicht, ich weiss ohnehin gerade gar nichts mehr. Alles ist verschwommen, und ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Warum, was ist geschehen? Ich fühle mich wie ein überspannter Tennisschläger - der harte Ball kommt immer näher, und ich weiss, dass mein Netz dem Druck nicht wird standhalten können, wenn er mich trifft. Angst. Nein, Panik. Ich kann nicht mehr, kann schon so lange nicht mehr. Das Bedürfnis nach einem Fressanfall steigt ins Unermessliche, doch ich werde stark bleiben, heute nicht. Und morgen nicht. Und übermorgen auch nicht. Vielleicht nächste Woche. Oder in zwei Wochen. Oder niemals wieder [welch hübsche Illusion]. Ich weiss es nicht. Aber nicht heute. Ich will sie nicht mehr, die Bulimie. Während die Anorexie nur meinen Körper zerstört hat, schändet die Essbrechsucht auch meine Seele zutiefst, und ich will nicht länger dabei zusehen. Kontrollverlust - es macht mir Angst. Ich will wieder hungern und weiss gleichzeitig, dass es falsch ist. So falsch, wie eine Sehnsucht nur sein kann. Und dann tauchen sie auf, diese alten Gedanken, und hüllen mich in ihren kalten Nebel ein. Kalorien zählen. Essen abwiegen. Hunger spüren. Weniger werden. Meine kleine Welt, ich brauche sie noch viel zu sehr, als dass ich sie wirklich aufgeben könnte. Und doch werde ich das müssen, wenn ich in die Klinik gehe. Es gäbe so viel Neues zu erzählen, doch ich bin müde und will mich nur hinlegen, einfach schlafen, der Realität und meinem für mich viel zu massigen Körper entfliehen. Ich habe Angst, auch vor der Waage morgen. Was, wenn ich zugenommen habe? Ich ertrage es nicht, diese Zahl zu sehen, es muss weniger werden. Sinnlos, mir zu sagen, dass es der falsche Weg ist - ich weiss es selbst, und 'blue-spirit' hat vollkommen recht, wenn sie sagt, dass ich mich allmählich von diesen Gedanken verabschieden sollte. Ein wunderbarer Kommentar übrigens, danke. Und danke auch dafür, dass du so ehrlich bist. Das ist mehr wert als nette aber inhaltlose Floskeln. Und wenn ich scho dabei bin - danke auch an 'so-jealous'; dafür, dass du immer ein paar liebe Worte für mich übrig hast. Das musste mal gesagt werden. Nun werde ich mich ins Bett legen und hoffen, dass ich bald einschlafen werde. Einfach wegträumen, verschwinden. Dem Sturmwetter in meinem Kopf entfliehen, für ein paar Stunden wenigstens.

5.4.08 00:48


.:Entscheidungsfrage:.

Tausend Dinge schwirren in mir herum, und ich weiss gar nicht recht, wo ich anfangen soll. Vielleicht bei gestern, weil ich ja nicht allzu ausführlich über das Gespräch mit meiner Therapeutin berichtet habe. Es steht nun fest, dass ich nicht in die Tagesklinik gehen werde. Erstens würde mir eine teilstationäre Behandlung nicht genug Unterstützung bieten, und zweitens haben die dort eine Wartezeit von über zwei Monaten, was ich definitiv nicht durchstehen würde. Sowohl meine Psychiaterin als auch ich sind zu dem Schluss gekommen, dass das nicht mehr zumutbar ist. Nun steht also lediglich die Entscheidung an, ob ich in die Klinik gehen werde oder nicht. Und ganz ehrlich, ich weiss es nicht. Eine erneute stationäre Therapie würde all meine Pläne vollkommen durcheinander bringen. Schliesslich wollte ich im Juni mit meiner Mutter ans Meer fahren. Ausserdem hatte ich fest vor, mit Kickboxen anzufangen und das Springtraining mit meinem Pferd wieder aufzunehmen [und vielleicht das ein oder andere Turnier zu reiten]. Und vor allem beginnt im August die Schule, und ich weiss nicht, ob ich bis dann aus der Klinik raus wäre. Das alles müsste ich erst einmal hinten anstellen, und ausserdem bin ich noch immer nicht überzeugt davon, dass ich die Essstörung wirklich loslassen will. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, es scheint irgendwie so weit entfernt zu sein. Ein erschreckend grosser Teil in mir will noch immer hungern, abnehmen, weniger werden. Sollte ich mich dennoch für die Klinik entscheiden, könnte ich bereits in ein etwa einer Woche eintreten. Ich käme dann auf die offene Station, was bedeutet, dass ich relativ viele Freiheiten hätte. Meine Psychiaterin klärt noch für mich ab, wie das genau aussähe [ich müsste doch nicht noch einmal zu einem Vorgespräch], und am Montag werde ich mehr wissen. Vorher brauche ich mir auch noch nicht zu überlegen, ob ich zu Hause bleibe oder in die Klinik gehe. Auch wenn mein ganzes Umfeld wahrscheinlich damit rechnet, dass ich gehen werde, ich weiss es wirklich noch nicht. Meine Therapeutin gab mir die Aufgabe, eine Liste mit allen positiven und negativen Seiten zu erstellen. Die werden wir dann nächste Woche besprechen. Hoffentlich wird mir das irgendwie helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Ich weiss, dass alle denken, die Klinik sei meine einzige Chance, doch ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich der beste Weg für mich ist - schliesslich habe ich keine guten Erfahrungen mit stationären Therapien gemacht und bin dementsprechend skeptisch. Ich habe furchtbare Angst, es wieder nicht zu schaffen. Meine Mum sagte, sie würde mich nicht noch einmal nach Hause holen. Ich kann sie verstehen, sehr gut sogar. Doch das hilft mir nicht gerade weiter. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich werde nun versuchen zu schlafen, um den tausend Gedanken in meinem Kopf zu entfliehen. Irgendwohin, Hauptsache weg, in eine andere Welt.

6.4.08 00:33


.:Zeit zum Nachdenken:.

Genau das brauche ich jetzt. Ich weiss gerade gar nichts mehr. Alles ist unklar, verschwommen. Wieder einmal sitze ich an einem Sonntagabend vor dem Bildschirm, stopfe mich mit allen möglichen Lebensmitteln voll und weiss schon jetzt, dass ich mein Magen in einer halben Stunde wieder leer sein wird. Traurig ist das, und mit 'leben' hat das gewiss nichts mehr zu tun. Ich will so nicht mehr weitermachen, aber in die Klinik will ich irgendwie auch nicht. Jedenfalls nicht hundertprozentig. Morgen wird meine Therapeutin noch einmal dort anrufen und sich erkundigen, wann genau ich eintreten könnte. Und dann hängt alles von meiner Entscheidung ab. Kein Vorgespräch, das ich noch abwarten könnte. Kein Grund mehr, die Entscheidung noch länger aufzuschieben. Ich weiss einfach nicht, was ich tun soll. Gerade ist mir alles zu viel, ich ertrage diese gewohnten Abläufe nicht mehr länger. Einzig mein Pferd gibt mir noch Halt, doch alles andere fällt in sich zusammen. Ich kann nicht mehr, muss einfach weg von hier. Raus aus dieser Wohnung, die mich allmählich in den Wahnsinn zu treiben droht. Ich kann noch nicht einmal sagen, warum das so ist. Schliesslich lebe ich hier schon so lange, es ist mein Zuhause und eigentlich habe ich mich hier immer wohl gefühlt. Aber nun ist alles irgendwie anders. Seit ich die Klinik verlassen habe, falle ich ständig weiter in mein kleines, schwarzes Loch. Innerlich schreie ich, doch äusserlich bin ich still. Stumm - meine Stimme ist verschwunden. Und ich wünschte, ich könnte es ihr gleichtun. Meine Gefühle habe ich mir aus der Seele gekotzt, doch eines spüre ich ganz deutlich: es muss sich etwas verändern. Ich weiss nur nicht, wie ich das erreichen soll und ob die Klinik wirklich der richtige Weg für mich ist. Ich brauche Zeit, nur für mich, um mir darüber klar zu werden, was ich eigentlich will. Gesund werden? Krank bleiben? Hungern? Essen? In mir sind unendlich viele Fragezeichen, und ich muss hier raus, wenn ich auch nur eine einzige Antwort finden will. Eine Idee bahnt sich an. Ich habe unlängst davon geschrieben, vielleicht für einige Zeit bei der besten Freundin meiner Mutter zu wohnen. Und jetzt scheint es mir, als wäre der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Vielleicht nur für einige Tage, um Abstand zu gewinnen und herauszufinden, ob ich wirklich bereit dazu bin, die Essstörung loszulassen und deswegen erneut in eine Klinik zu gehen. Hier kann ich nicht nachdenken - ich habe es versucht und bin kläglich und viel zu oft gescheitert. Ich muss die Idee unbedingt mit meiner Psychiaterin besprechen [ich halte einfach sehr viel von ihrer Meinung], bevor ich mit meiner Mutter und dann mit ihrer Freundin sprechen werde. Es wird viel Mut von mir brauchen, sie anzurufen, doch ich habe gerade das Gefühl, dass es die einzige Möglichkeit wäre, um wirklich die richtige Entscheidung zu treffen. Denn eines weiss ich: noch einmal werde ich nicht eine Therapie anfangen, um sie dann nach einigen Wochen abzubrechen. Wenn ich jetzt in die Klinik gehe, dann werde ich es durchziehen. Deswegen will ich mir ganz sicher sein, ob ich da hin will, ob ich es wirklich will. Wenn ich nicht hundertprozentig dahinterstehe, hat es einfach keinen Sinn. Und hier verfalle ich immer wieder so sehr in meine bekannten Verhaltensmuster, dass ich nicht zum Nachdenken komme. Nein, in diesem Umfeld werde ich die Antworten auf meine Fragen nicht finden. Das heisst, eigentlich gilt es momentan nur, eine enizige [aber die momentan wichtigste] Antwort zu finden - will ich gesund werden und dafür die stationäre Therapie in Angriff nehmen? Vorerst schiebe ich diesen Gedanken noch beiseit. Jetzt gilt es erst einmal, den Fressanfall rückgängig zu machen. Und danach habe ich eine Nacht lang Zeit, den Mut zu sammeln, um morgen oder spätestens übermorgen die Freundin meiner Mutter anzurufen und sie darum zu bitten, ein paar Tage bei ihr und ihrem Mann wohnen zu dürfen. Vielleicht sind die beiden auch gar nicht zu Hause, dann erledigt sich die Angelegenheit und ich stehe vor einem neuen Problem, doch ich muss es versuchen. Ich muss, wenn ich Zeit zum Nachdenken haben will. Und die brauche ich, mehr denn je wahrscheinlich.

7.4.08 00:01


.:Jetzt oder nie:.

Alea iacta est - die Würfel sind gefallen [obwohl der Spruch wörtlich übersetzt eigentlich 'der Würfel ist gefallen heisst]. Ich werde in die Klinik gehen, und das schon nächste Woche. Wann genau steht noch nicht fest, ich muss morgen dort anrufen und den Eintrittstermin vereinbaren. Sicher ist aber, dass ich schon in wenigen Tagen wieder eine stationäre Therapie beginnen werde. Diesmal nicht mehr nur wegen Anorexie, sondern auch wegen Bulimie. Ich werde nicht mehr viel zunehmen müssen. Überhaupt wird alles anders sein als in der anderen Klinik. Ein festes Programm oder gar einen Phasenplan gibt es nicht, der Therapieablauf wird individuell mit den Patienten besprochen. Das sagt mir sehr zu, und ich hoffe wirklich, dass ich damit besser klarkommen werde. Denn noch einmal werde ich die Therapie nicht vorzeitig abbrechen. Ginge ich mit diesem Gedanken da hin, könnte ich schliesslich auch gleich zu Hause bleiben. Es wäre sinnlos, sich dann die Mühe zu machen und noch einmal von vorn zu beginnen, dessen bin ich mir durchaus bewusst.
Gerade gehen mir unendlich viele Gedanken durch den Kopf, und ich finde nicht wirklich die Worte, um weiter zu schreiben. Dennoch kann ich es nicht einfach bleiben lassen - zu viele Satzfragmente rasen in mir herum, als dass ich die Augen schliessen und schlafen könnte. Unmöglich, in diesem Gedankensturm zur Ruhe zu kommen. Aber wie weiter? Vielleicht mit etwas, was ich in letzter Zeit oft verloren zu sein glaubte - meine Hoffnung. Ich weiss nicht, ob sie jemals wirklich weg war oder ob ich sie bloss nicht mehr sehen konnte, es ist nun auch vergleichsweise unwichtig. Jedenfalls spüre ich, dass sie nun aus dem Urlaub zurück [oder von den Toten auferstanden] ist, und ich bin froh darüber. Der Klinikaufenthalt wird ein Neuanfang für mich sein, dessen bin ich mir sicher. Acht lange Jahre hat mich die Essstörung begleitet, und nun ist es an der Zeit, sich allmählich zu verabschieden. Das hört sich so einfach an, so wunderbar leicht, doch das Gegenteil ist der Fall. Ich habe schreckliche Angst davor, ohne die Krankheit auskommen zu müssen. Was, wenn meine Gefühle plötzlich wieder vor der Tür stehen? Was, wenn ich mit der Welt da draussen nicht ohne meinen vermeintlichen Zufluchtsort zurechtkomme? Was, wenn die Essstörung eine so grosse Leere in mir hinterlassen wird, dass nichts diese Lücke zu füllen vermag? Was, wenn ich erkennen werde, dass ich gar nicht ohne meine Krankheit leben will? Was, wenn... - es gäbe noch tausend weitere Wenn's. Und plötzlich steigt Panik in mir auf, wenn ich an den Eintrittstag denke. Ich bin noch nicht so weit. Ich werde nie so weit sein. Doch mein Verstand sagt mir deutlich, dass es nicht den richtigen Zeitpunkt gibt, um etwas loszulassen. Es wird ein langer, wahrscheinlich endloser Prozess sein, den ich zu bewältigen habe. Ich werde nicht eines Morgens aufwachen und die Essstörung und die damit verbundenen Gedanken lossein. Sowas geht nur ganz langsam, und ich bin auf diesem Weg nicht allein [obwohl der Impuls zum Losgehen natürlich von mir kommen muss] sondern habe professionelle Hilfe, um gegen die heimtückische Krankheit zu kämpfen. Gute Aussichten also. Und trotzdem habe ich unheimliche Angst davor.
Ein anderes Thema: was wird nun aus meinen Plänen für die nahe Zukunft? Ich wollte doch wieder ins Springtraining mit meinem Pferd, und ich wollte mit Kickboxen anfangen, und ich wollte im Sommer zur Schule, und ich wollte mit meiner Mutter ans Meer fahren. Nun, der Reihe nach. Das Springtraining muss vorerst warten, und wenn ich mich in der Klinik eingelebt habe und es mir besser geht, werde ich zusehen, dass ich jeweils am Samstag in die Reitstunde kann [die Patienten auf der offenen Station, auf die ich kommen werde, dürfen am Wochenende nach Hause]. Mit Kickboxen darf ich schon während der Klinikzeit anfangen, sobald mein Gewicht stabil ist [ich darf mindestens zwei Wochen nicht abnehmen], was auch kein Problem ist, weil das Training immer erst ziemlich spät abends stattfindet. Den Urlaub am Meer haben wir auf die Herbstferien verschoben. Die Schule stellt das grösste Problem dar. Wenn ich nächste Woche eintreten kann, werde ich voraussichtlich Mitte August mit der Therapie fertig sein. Und Ende August fängt dann das Semester an. Es wird knapp, doch notfalls müsste ich etwa eine Woche später mit der Schule anfangen [was ebenfalls kein Problem wäre, weil ich von der Klinik ein Zeugnis für die Zeit bekäme] und den Stoff dann aufholen. Wie man sieht, gibt es immer einen Weg - wenn man nur will. Und diesmal bin ich mir sicher, dass ich will. Gestern noch war ich überzeugt, hier nicht die richtige Entscheidung treffen zu können, doch nun bin ich mir sicher, dass die Klinik der einzige Weg ist, der mich wirklich weiterbringt. Auch meine Psychiaterin ist sich sicher, dass ich ambulant keine Chance habe. Sie ist froh über meine Entscheidung. Ich sehe sie noch einmal am Freitag, wahrscheinlich vorerst das letzte Mal.Doch wenn ich aus der Klinik raus bin, kann ich bei ihr wieder in die ambulante Sprechstunde kommen. Aber das ist eine andere Geschichte.

8.4.08 00:46


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