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.:Angst:.

Ich werde ständig von Fragen überhäuft. In meinem Kopf herrscht das total Durcheinander, und ich weiss gar nichts mehr. Was ist richtig? Wohin führt mein Weg? Kann ich wirklich mit der Krankheit glücklich werden, damit leben? Muss ich gegen sie kämpfen? Natürlich müsste ich das, zumindest aus medizinischer Sicht, das weiss ich natürlich, aber wie sieht es mit meiner Psyche aus? Ich habe solche Angst, dass mein bisheriger Lebensinhalt verloren geht, wenn ich die Essstörung loslasse. Was wird dann die Lücke füllen? Ich kann es mir nicht vorstellen, habe Panik davor, mich leer und vor allem einsam zu fühlen. Meine Seele braucht die Krankheit irgendwie, um all das Erlebte zu bewältigen [auch wenn es natürlich nur eine Flucht vor der Erinnerung ist]. Ich weiss, dass ich in die Klinik gehen sollte, mich dort auf die Therapie einlassen müsste und so schliesslich meine Probleme, die zu meiner Essstörung geführt haben, zu verarbeiten. Aber ich kann es einfach nicht. Die Angst ist zu gross, ich ertrage noch nicht einmal den Gedanken daran. Ich weiss, dass es falsch ist, an einer möglicherweise tödlichen Krankheit festzuhalten, und ich weiss auch, dass ich alles dafür tun sollte, endlich, nach acht Jahren, einen Schritt in Richtung Gesundheit zu machen. Aber ich habe nicht den Mut zu diesem Schritt, fühle mich zu schwach dazu - obwohl ich weiss, dass es meine einzige Chance auf ein normales Leben wäre. Wie krank muss man denn sein, wenn man lieber essgestört bleibt anstatt gesund zu werden? Ich würde doch die bestmögliche professionelle Hilfe bekommen, die ich mir vorstellen kann! Aber trotzdem ist da diese Stimme in mir, die mir irgendwie verbietet, auch nur einen einzigen Gedanken ans Gesundwerden zu verschwenden. Eigentlich weiss ich, dass ich in die Klinik muss, um endlich zu leben, aber ich fühle mich, als wäre ich total blokiert. Es geht einfach nicht, ich kann die Essstörung nicht loslassen. Hinzu kommt, dass ich zur in einem so tiefen Loch stecke, dass ich sogar die negativen Seiten der akuten Anorexie vermisse, mich förmlich danch sehne, wieder 'richtig' krank zu sein. Es hört sich bescheuert an und es sind 'falsche' Gedanken [können Gedanken falsch sein?], ich weiss es, doch ich kann sie nicht abschalten, und ich kann meine Angst einfach nicht überwinden. So oft schon habe ich mir vorgenommen, einfach ins kalte Wasser zu springen, die Krankheit loszulassen und zu kämpfen, frei nach dem Motto 'ich werde dann schon sehen, dass es so schlimm nicht ist', doch immer ist dieser Wille im Keim erstickt, wenn es ans Eingemacht ging. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, normal zu essen, mit mir zufrieden zu sein. Vielleicht habe ich noch nicht genug unter meiner Essstörung gelitten, vielleicht ist es nötig, dass ich erst noch einmal richtig auf die Schnauze falle, damit ich endlich erkenne, dass man mit einer Krankheit nicht leben kann. Vom Intellekt her weiss ich das natürlich längst, doch mein Gefühl betrügt mich noch immer. Möglich, dass ich erst kurz vor dem Tod stehen muss, um endlich zu begreifen, dass ich etwas ändern muss. Ich frage mich manchmal, was eigentlich noch passieren muss, bis ich endlich aufwache. Muss ich wirklich erst im Koma liegen, so wie meine ehemalige Zimmergenossin aus der alten Klinik? Muss ich zwangsernährt werden und mitansehen, wie meine Mutter vor Angst um mich fast stirbt? Muss ich zu schwach werden, um mein Pferd zu reiten [was für mich grösste Katastrophe überhaupt wäre], damit ich endlich wirklich Hilfe annehme und kämpfe? Ich habe Angst. Angst vor dem, was passiert, wenn ich nicht in die Klinik gehe. Und ich habe noch viel mehr Angst davor, was passiert, wenn ich gehe und die Essstörung loslassen muss. Das ist keine Angst mehr, das ist Panik. Regelrechte Panik. Ich kann es nicht, kann nicht die Kraft aufbringen, um diese Furcht zu überwinden. Doch was muss geschehen, damit ich endlich den richtigen Weg finde?

1.5.08 00:18


.:Chaotisch:.

Treffender könnte ich meine momentan Gedanken nicht beschreiben. Ich weiss nicht mehr, was ich fühle und denke, alles dreht sich. Einerseits geht es mir gut - zumindest solange ich die Fragen bezüglich Klinik vor mir herschiebe und mich nicht mit meiner unglaublichen Angst befasse. Aber andererseits könnte ich im selben Moment weinend zusammenbrechen oder alles Mögliche kurz und klein schlagen. Alles ist so verwirrend. Ich hänge an der Essstörung und kann sie nicht loslassen, jedenfalls nicht zur Zeit. Und obwohl man es mir [noch] nicht  ansieht, flüchte ich immer tiefer in die Höhle der Krankheit. Ich verstecke mich vor der Realität, liege nächtelang wach und treibe Sport wie eine Verrückte - nur, um nicht ständig ans Essen denken zu müssen, um mich irgendwie von den zermürbenden Gedanken abzulenken. Meine Tiere helfen mir zum Glück dabei; wenn mein Hund vergnügt neben meinem Fahrrad herrennt, einen riesigen Holzstock mit sich herumträgt oder einfach seine schwarze Schnauze auf mein Bein legt und gestreichelt werden will, kann ich alles andere vergessen. Ebenso geht es mir, wenn ich in die Augen meines Pferdes schaue, ihn gründlich putze oder im Sattel sitze. Dann ist die Welt für einen kleinen Moment einfach in Ordnung. Heute bin ich zum ersten Mal seit fast einem Jahr wieder mit ihm gesprungen. Und ich hatte das Gefühl, als würde ich fliegen. Es war, als läge nicht eine Trainingspause von elf Monaten hinter uns, und mir schien es, als müsste mein Pferd sich nicht im Geringsten anstrengen, um seinen eigenen Körper und mich über das Hindernis zu tragen. Erst jetzt ist mir bewusst geworden, wie sehr ich das Springen vermisst habe. Und obwohl ich zur Zeit nicht den Willen habe, wirklich gesund zu werden, musste ich doch erkennen, dass ich nicht wieder so dünn sein will, dass ich keine Kraft mehr für das Springreiten habe. Das ist es nicht wert, denn dieses Gefühl der Freiheit und Verbundenheit mit meinem Pferd gibt mir keine noch so niedrige Zahl auf der Waage. Ich möchte zwar noch immer abnehmen, aber ich will auch wieder regelmässig trainieren können, so bald wie möglich. Und vielleicht kann ich mit meinem Pferd schon in diesem Herbst wieder einige Turniere reiten. Aber das bleibt noch ein Wunschtraum. Erst einmal müssen wir beide wieder in unsere alte Form zurückfinden [obwohl mein Pferd nicht viel davon verloren hat]. Und dann sehen wir weiter. Weniger durcheinander bin ich deswegen allerdings nicht. Es regnet, während die Sonne scheint, und ich habe das Gefühl, zu leben während ich trotzdem langsam weitersterbe. Alles ist chaotisch.

3.5.08 02:39


.:Lügen:.

Was für ein schöner Frühlingstag! Die Feldwege rund um unseren Stall sind endlich wieder trocken genug, um zu galoppieren. Mein Pferd hat sich richtig ausgetobt, und ich konnte nur lachen über seine übermütigen Bocksprünge. Danach durfte er dann zum ersten Mal in diesem Jahr auf die Weide. Er hat ganz schön grosse Augen gemacht, als er das Fohlen nebenan gesehen hat [am Sonntag vor einer Woche hat meine Lieblingsstute ihr Hengstfohlen zur Welt gebracht], das durch das hohe Gras gerast ist und dabei Haken geschlagen hat wie ein junger Hase. Ein wundervolles Bild. So gesehen könnte man annehmen, mein Tag sei wunderbar gewesen, doch der Schein trügt. Meine Mum hat mich heute gefragt, wie es mir eigentlich mit dem Essen ginge [sie arbeitet ja den ganzen Tag und bekommt nicht viel mit] und vor allem, ob ich noch erbrechen würde. Seit ich leider regelmässig für meine Fressanfälle einkaufen gehe, fehlen zu Hause keine Lebensmittel mehr, weshalb sie nicht erahnen kann, ob ich eine Essattacke hatte oder nicht. Ich habe es aber irgendwie nicht übers Herz gebracht, ihr die Wahrheit zu sagen. Sie hat keine Ahnung, dass ich seit kurzem mindestens zweimal die Woche in die Stadt fahre, um Fressalien zu kaufen, nur um alles danach wieder zu erbrechen. Wie hätte ich ihr das auch sagen sollen? Sie ist so überzeugt davon, dass es mir besser geht seit der Klinik, obwohl ich die Therapie abgebrochen habe. Ich konnte sie einfach nicht enttäuschen. Obwohl sie wahrscheinlich viel enttäuschter wäre, wenn sie wüsste, dass ich sie anlüge, als wenn ich ehrlich zu ihr wäre. Aber ich schaffe es nicht. Es tut mir so leid, weil wir eigentlich ein gutes Verhältnis haben und ich ihr bisher alles sagen konnte, auch was meine Essstörung betrifft. Doch ich will ihr nicht schon wieder diese Sorgen bereiten, die sie zweifellos hätte, wenn ich ihr sagen würde, dass ich wieder voll in der Bulimie stecke. Ich kann es nicht. In die Klinik will ich allerdings trotzdem nicht noch einmal. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es zur Zeit der falsche Weg für mich wäre. Wozu auch, wo ich doch nicht mehr wirklich gesund werden will? Es wäre nur unfair, wenn ich jemandem, der wirklich kämpfen will, den Platz wegnähme. Und ausserdem würde ich nur Zeit verschwenden. Ich will da nicht hin, auch wenn die Klinik einen guten Eindruck macht. Nicht noch einmal weg von meinem Pferd und von allem, was mir wichtig ist. Ich will doch wieder ins Springtraining, ich will endlich mit Kickboxen anfangen, und ich will vor allem den Schulanfang nicht verpassen. Nein, ich will nicht noch eine stationäre Therapie beginnen. Auch wenn es mir nicht gut geht, zumindest psychisch. Die Depressionen sind wieder stärker, und ich komme mit vielem nicht mehr zurecht. Doch ich baue mir allmählich wieder eine Mauer aus Lügen auf, sogar vor meiner Familie. Sie sollen nicht noch einmal sehen, wie ich tiefer und tiefer und mein schwarzes Loch falle. Was ich allerdings tun werde, wenn ich weiterhin abnehmen sollte [etwas mehr als zwei Kilogramm habe ich bereits wieder verloren, was allerdings noch nicht dramatisch ist], weiss ich nicht, denn irgendwann werden sie es mir ansehen. Doch zur Zeit kann ich nicht anders, wirklich nicht. Alles ist mir zu viel, und wahrscheinlich würde ich vollends verzweifeln, wenn ich mein Pferd nicht hätte. Deswegen will ich auf keinen Fall wieder weg von ihm. Es geht einfach nicht, ich etrage das nicht noch einmal. Jedenfalls nicht jetzt. Was bleibt mir also anderes übrig, als weiterhin zu lügen? Es tut mir leid, jedes einzelne Mal, aber ich bin zu feige, um die Wahrheit zu sagen, die Angst ist einfach zu gross.

4.5.08 23:27


.:Narben:.

Ich lese dieses Buch nun schon zum zweiten Mal, und erneut fesselt mich die Geschichte. Vielleicht, weil sie auf wahren Begebenheiten beruht, vielleicht auch, weil ich mich so genau in dieses Mädchen hineinversetzen kann. Wenn ich die geschrieben Worte in mich aufsauge, fühle ich mich in die Zeit in der Klinik zurückversetzt, und ich verspüre vor allem das Bedürfnis, mich zu verletzen. Blut zu sehen, mein Blut. Schmerz spüren und wissen, dass ich noch lebe. Erleichterung. Genau wie das Mädchen im Buch [das Buch heisst übringes 'Cut. Bericht einer Selbstverletzung.']. Und dann denke ich an den Sommer, an die Zeit, in der kein normaler Mensch noch mit langärmeligen Kleidern herumläuft. Wenn ich mein Pferd putze, kann ich die Jacke nur ablegen, wenn ich alleine bin - obwohl mir oft ziemlich heiss ist, wenn ich mich bewege. Genauso ist es zu Hause. Meine Mutter sitzt im ärmellosen Oberteil auf unserem Balkon, ich trage einen Pullover, damit sie meine Narben nicht sieht. Ob sie ahnt, dass ich mir die Arme blutig schneide? Ich weiss es nicht, sie hat noch nie etwas dazu gesagt. Bisher weiss nur meine Therapeutin davon, und natürlich die Leute in der Klinik, aber mit denen habe ich nichts mehr zu tun.
Noch kann ich meine Verletzungen einigermassen verstecken, weil es noch nicht so heiss draussen ist, dass eine dünne Jacke ungeheuer auffällig wäre. Aber was tue ich, wenn es bald Sommer wird? Wenn ich tatsächlich wieder ins Springtraining gehen werde? Oder mit Kickboxen anfange? Beim Sport kann ich unmöglich immer  etwas Langärmeliges tragen, und an einen Schwimmbadbesuch will ich gar nicht erst denken. Im letzten Jahr war dieses Problem noch nicht vorhanden. Ich habe erst im Winter letzten Jahres damit begonnen, mich selbst zu verletzen. Im Sommer hat mir das Hungern noch gereicht. Und nun? Ich hungere wieder, seit einer Woche etwa, und ich fühle mich bereits besser als in den zwei Monaten davor. Wahrscheinlich mache ich mir selbst etwas vor, doch wenn ich es so schaffe, mich vor dem Ritzen abzuhalten, ist es mir recht. Dennoch verspüre ich den Drang, es zu tun. Diese schnelle Erleichterung, der Druckabbau, das kann ich nur durch den einmaligen Schmerz einer Klinge in der Haut erleben. Gestört, ich weiss, doch all die tollen Ablenkungsversuche helfen mir nicht, wenn es so weit ist, dass ich den inneren Druck nicht mehr ertragen kann. Dann brauche ich das Blut - und in dem Moment ist es mir egal, ob neue Narben entstehen, die ich dann verstecken muss. Dieses Problem taucht erst danach auf, am nächsten Tag, wenn die Sonne scheint und gesunde Menschen leichte Kleidung tragen.

6.5.08 00:39


.:Traurig:.

Ungesehene Tränen laufen mir übers Gesicht, und ich weiss nicht, warum. Meine Stimmungsschwankungen machen mich ziemlich müde - im einen Moment könnte ich die Welt umarmen, freue mich über den Frühling und geniesse die Stunden, die ich im Sattel und mit meinen Tieren verbringen kann, und eine Minute später bricht die Welt unter mir zusammen und baut sich irgendwo wieder auf, wo ich sie nicht finden kann. Zur Zeit ist mir alles zu viel, ich ertrage diese Existenz nicht mehr. Noch immer warte ich jeden Tag auf einen Anruf aus der Klinik, obwohl ich eigentlich gar nicht in eine stationäre Einrichtung will. Seltsam. Hinzu kommt noch, dass ich zur Zeit vollkommen auf mich allein gestellt bin; meine Therapeutin ist auf einer Fortbildung, und ich habe den nächsten Termin frühestens in zwei Wochen. Gerade jetzt, wo ich so dringend jemanden bräuchte, bei dem ich meinen Gedankenmüll entsorgen kann. Das geht nirgendwo so gut wie bei ihr, sie schafft es irgendwie immer, meine kaputte Seele zumindest für einige Stunden zusammenzuflicken. Aber jetzt ist sie weg, und ich versuche, irgendwie die Zeit totzuschlagen. Oder vielmehr meine Gefühle - ich will nichts mehr empfinden. Diese ständige Angst ist zu viel für mich, und ich bin erneut dabei, sie einfach wegzuhungern.
Immer wieder muss ich erneut feststellen, dass ich so ganz anders bin als all die Menschen in meiner Umgebung. Die Leute im Stall lachen, arbeiten mit ihren Pferden und tragen kurze Sachen, während ich mich oft zu schwach fühle fürs Training und meine Narben unter langen Ärmeln verstecke. Und während meine Bekannten unbeschwert Eis essen gehen, sitze ich zu Hause und überlege drei Stunden lang, ob ich mir wirklich einen ganzen Apfel erlauben kann. Krank ist das, und ich hasse mich dafür, dass ich so sehr an meiner Essstörung hänge. Ich will sie nicht mehr brauchen müssen, doch zur Zeit bin ich zu schwach, zu müde, zu erschöpft, um etwas daran zu ändern. Ich bin abhängig von dieser Krankheit, süchtig nach dem Hungergefühl, das mir wenigstens für den Moment erlaubt, mich selbst wahrzunehmen. Kein Wunder, dass ich traurig in die Nacht hinaus schaue. Denn eigentlich ist es andauernd Nacht in meiner Welt.

7.5.08 00:46


.:Gelebt:.

Für einmal schlage ich mich hauptsächlich mit physischem Schmerz herum. Ich habe heute wohl zu viel Sonne erwischt; seit ich vom Stall zurück bin, habe ich Kopfschmerzen und jedes Mal beim Aufstehen das Gefühl, demnächst zusammenzubrechen, weil mir so schwindlig ist. Aber verglichen mit dem schönen Tag, den ich heute mit meinen Tieren hatte, ist das eher nebensächlich. Ich konnte mich endlich etwas entspannen, einfach zur Ruhe kommen. Erstaunlich, welch wundersame Wirkung mein Pferd jedes Mal wieder auf mich hat. Wo wir schon beim Thema Pferde sind: das Fohlen hat heute Morgen im Stall für Aufregung gesorgt - der kleine Kerl ist durch den Weidezaun gesprungen, hinunter bis zum Stall gerannt und hat dort sämtliche Pferde verrückt gemacht. Irgendwann ist es uns dann gelungen, den übermütigen Hengst wieder einzufangen. Ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr so gelacht. Das hört sich nun alles schrecklich oberflächlich an, und eigentlich ist es so gar nicht meine Art, nur solche banalen Dinge zu schreiben, doch für mich haben die Ereignisse - und mögen sie auch noch so alltäglich sein -  dennoch eine tiefere Bedeutung. Ich habe nämlich zum ersten Mal seit einer Ewigkeit für mehrere Stunden am Stück keine Minute lang ans Essen und ans Abnehmen gedacht. Wirklich nicht. Wären da nicht meine Narben, die ich ständig verstecken müsste, hätte ich mich heute wahrscheinlich einfach normal gefühlt, fast schon gesund. Auch wenn ich weiss, dass ich wahrscheinlich immer irgendwie anders sein werde, war es doch ein schönes Gefühl, für einige Momente einfach nur die Gegenwart geniessen zu können, ohne ungeweinte Tränen, ohne Angst und ohne verschwendete Gedanken. In solchen Stunden schöpfe ich oft neue Hoffnung, beginne wieder daran zu glauben, dass ich vielleicht doch irgendwann glücklich sein kann. Natürlich nicht immer, aber wer kann das schon von sich sagen? Ich hoffe noch nicht einmal, dass es mir auch morgen noch gut gehen wird, sondern lasse den neuen Tag einfach auf mich zukommen, ohne Erwartungen. Vielleicht aus Angst, enttäuscht zu werden, falls meine Depressionen mich wieder einholen sollten, aber das ist unwichtig. Viel bedeutender ist doch, dass ich einfach für eine gewisse Zeit lang durchatmen konnte. Und wenn es morgen wieder anders sein sollte, wenn morgen wieder all die dunkeln Gedanken und schmerzenden Gefühle zurückkommen werden, dann weiss ich doch, dass mir niemand den heutigen Tag nehmen kann. Er gehört nur meinen Tieren und mir, und daran wird auch keine Krankheit der Welt etwas ändern können - selbst dann nicht, wenn mir das, was ich jetzt schreibe, morgen falsch und viel zu euphorisch vorkommen wird. Egal. Heute war heute, und ich habe seit langem mal wieder einen Tag lang gelebt.

9.5.08 00:55


.:Kampfgeist:.

Wieder habe ich einen schönen Tag erlebt, aber dennoch geht es mir nicht gut. Ich bin irgendwie antriebslos und depressiv, ohne wirklich zu wissen, woran es liegt. Erneut habe ich zu Abführmitteln gegriffen, obwohl ich das nicht mehr tun wollte. Und erneut habe ich zur Klinge gegriffen [nur, dass ich mir hier nicht vorgenommen habe, es nicht zu tun]. Irgendwie brauchte ich diese Erleichterung, auch wenn es nun noch mehr Verletzungen zu verstecken gilt. Aber das ist eine andere Geschichte. Eigentlich geht es heute um etwas anderes. Mir ist gestern klar geworden, dass ich solche Tage öfter erleben will - und vor allem, dass ich noch in der Lage dazu bin. Wie 'blue-spirit' schrieb, liegen diese Gefühle irgendwo tief in mir drin verborgen, verdeckt von Schmerz und Angst, von Depressionen und der Essstörung. Aber sie sind da! Und ich habe beschlossen, mich nicht mehr länger von einer Krankheit derart beeinflussen zu lassen, dass sie mir solche schönen Momente einfach ohne zu fragen nehmen kann. Auch wenn ich nicht glaube, dass ich die Essstörung jemals ganz loswerden werde [nicht zuletzt, weil ich das eigentlich gar nicht will], so will ich doch mit letzer Kraft darum kämpfen, mit ihr leben zu können, und zwar so, dass ich sie im Griff habe und nicht umgekehrt. Es muss möglich sein - ganz einfach deshalb, weil sie zwar ein Teil von mir ist, ich aber weder psychisch noch physisch sterben will. Vielleicht denke ich morgen anders, aber für den Moment ist das unwichtig. Ich will noch so vieles. Greibare Ziele sind die Schule, das Springreiten und das Kickboxen, und weiter entfernte Ziele, eigentlich eher Träume, schlummern auch noch in mir; ich würde gerne irgendwann ans Meer auswandern, nach Irland oder nach Holland vielleicht. Mit meinem Pferd [und vielleicht einem zweiten, damit er nicht alleine ist] irgendwo am Wasser leben. Und ich will studieren [nur was weiss ich noch nicht], auf jeden Fall. Und dann einen Beruf ausüben, in dem ich einen Sinn sehe, der mich erfüllt. Dafür lohnt es sich doch, zu kämpfen! Und obwohl es mir heute nicht gut geht [ich weiss nicht, warum], ist doch irgendwo der Kampfgeist zaghaft dabei, zum Leben zu erwachen. Noch bin ich skeptisch - wer weiss schon, wie lange dieser neue Mut anhalten wird -, doch vielleicht ändert sich das in absehbarer Zeit. Schliesslich weiss ich eigentlich, dass ich sehr vieles erreichen kann, wenn ich es nur wirklich will.

10.5.08 02:59


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