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.:Verwirrt:.

Einmal mehr fliegt mir ein einziger Gedanken andauernd um die Ohren - 'es geht so nicht mehr weiter'. Täglich diese Fressanfälle. Täglich das Erbrechen. Täglich dieses Gefühl, völlig am Ende zu sein und doch noch weiter zu fallen. Ich ertrage es nicht mehr. Was nun? Je länger je mehr denke ich darüber nach, wieder in eine Klinik zu gehen. Habe ich überhaupt eine andere Chance? Ich weiss es nicht. Und schon taucht die nächste Frage auf - in welche Klinik? In die, in der ich schon zweimal war? War dort wirklich alles so schlecht? Habe ich vielleicht einfach zu wenig Durchhaltevermögen an den Tag gelegt? Ich bin so unsicher, was das betrifft. Oder vielleicht doch woanders hin? Aber will ich das? Wieder etwas Neues, wieder ins Unbekannte springen? Ich will doch gar nicht in eine Klinik. Will doch die Schule beenden [nur, dass ich dazu nicht die Kraft habe momentan], mein Pferd reiten, an Turnieren teilnehmen. Es geht nicht, ich will nicht weg von hier. Und doch ertrage ich das alles nicht mehr. Welch ein Widerspruch! Ich bin zerrissen, durcheinander, überfordert von meinen Gedanken. Und verwirrt. Irgendwie haltlos.

2.10.08 00:36


.:Auch im Regen:.

'...Ich weiss nur es wird regnen
Und hört so schnell nicht auf
Glaub mir, es wird kälter
Wann hört das wieder auf...'

Abgenommen. Nicht viel. Nicht besorgniserregend. Immer noch normalgewichtig. Wie ich dieses Wort hasse. Weniger irrelevant sind die Gedanken, die dahinter stecken. Ich fühle mich gut, zu gut. Warum? Ich will das doch nicht mehr, will nicht mehr so abhängig sein von der Waage. Und trotzdem entkomme ich ihr nicht. Warum sitze ich morgens um halb vier noch vor dem Bildschirm? Seltsames Leben. Seltsame Krankheit. Ich hatte heute [eigentlich ja gestern - man beachte die Zeit] den heftigsten Fressanfall meiner Bulimiekarriere. Zwölftausenddreihunderachtundsiebzig Kalorien. Das ist in etwa so viel, wie ein gesunder Mensch in sechs bis sieben Tagen isst. In einer ganzen Woche. Und das ist so viel, wie ich während meiner Anorexie in einem Monat gegessen habe. Die Ration von dreissig Tagen in ein paar Stunden. Und alles, was mir dabei durch den Kopf ging, war ein nüchternes Erstaunen. Erstaunen darüber, dass überhaupt so viel Nahrung in einen einzigen Magen passt. Ich habe mich nicht schlecht gefühlt, weder davor, während noch nach der Fressattacke. Ich habe mich schlicht gar nicht gefühlt. Nichts, völlig emotionsloses Vollstopfen. Ob es geschmeckt hat? Keine Ahnung. Wirklich nicht. Woher ich so genau weiss, wie viele Kalorien das waren? Weil ich die Verpackungen aufbewahrt und nachgerechnet habe. Krank ist sowas - als ob diese Fressorgie allein noch nicht genügen würde, musste ich auch noch wissen, wie viel es in Zahlen war. Neugier. Nichts weiter. Fest steht nun aber, dass ich es nicht noch einmal so weit kommen lasse. Ich will wieder normal essen können. Vielleicht etwas weniger. Gefährliche Gedanken - noch ein, vielleicht zwei Kilogramm. Nur, bis ich wieder untergewichtig bin. Und wenn es nur knapp ist - ich kann das Wort 'Normalgewicht' im Zusammenhang mit mir selbst nicht ertragen. Es geht nicht, absolut nicht. Ja, das ist kein gesundes Denken. Essgestört, alles noch immer viel zu essgestört. Meine Mutter hinterfragt allmählich meine Therapie. Es sollte doch endlich mal vorwärts gehen anstatt immer schlimmer zu werden. Warum ändert sich denn auch nach mehr als einem Jahr nichts? Ich weiss, dass sie es nicht verstehen kann. Sie ist am Ende. Ich bin es auch. Aber sie hat sich endlich Hilfe geholt. Als sie mir am Donnerstag erzählt hat, dass sie wieder zu ihrer alten Therapeutin geht, war ich so erleichtert wie selten zuvor. Sie nimmt mir damit eine Riesenlast von den Schultern. Endlich muss ich nicht mehr für sie kämpfen. Endlich kann ich meine Kraft für mich einsetzen. Hört sich das sehr egoistisch an? Möglich. Doch mit ihrer Aussage 'solange es dir nicht besser geht, wird es mir auch nie gut gehen!' hat sie mir so viel Druck gemacht, mehr als ich ertragen kann. Und nun gibt es da jemanden, der ihr hilft, der sie aufbaut, für sie da ist, sie versteht. So, wie meine Therapeutin mich versteht. Jedenfalls wünsche ich meiner Mum das [aber so, wie sie von der Frau gesprochen hat, scheint es so zu sein]. Es ist ja nicht so, dass es mir nun egal ist, wie es ihr geht, aber ich bin froh, wenigtens nicht mehr für sie verantwortlich zu sein [so hat sich das zumindest angefühlt]. Sie hat jetzt anderswo jemanden, der ihr hilft. Es liegt nicht mehr alles an mir. Ich brauche plötzlich auch kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn ich ihr nicht alles erzählen will. Denn sie kann nun mit jemand anderem reden, mit jemandem, der dafür ausgebildet wurde. Hört sich seltsam an, doch für mich ist es so, als hätte ich ein Stück weit mein Leben zurückbekommen. Etwas Raum, um atmen zu können. Das macht nun den Anschein, als würden wir uns voneinander entfernen. Aber wir waren uns nie näher. Nur diesmal auf eine gesunder Art und Weise.
Ich stelle fest, dass ich vom Thema abgeschweift bin [was war nochmal das Thema?]. Mein Fressanfall. Heftig. Oder anders ausgedrückt: schlimm. Schlimm. Und warum ist es mir dann so egal? Unwichtig. Gut, ich fresse und kotze wieder. Na und? Verdammt, es sollte mich interessieren! Es sollte mir Angst machen! Es sollte mich wenigstens irgendwie berühren! Aber nichts, gar nichts. Gähnende Leere in der Emotionsabteilung meines Gehirns. Woran ich denke? An die Waage. Weniger werden - magische Worte. Noch immer. Warum? Warum? Ich verstehe mich selbst nicht. Nein, ich bin nicht dick. Aber zu dick. Für wen? Für mich? Für meine Essstörung. Sie hat ein paar Tage [oder waren es sogar Wochen?] geschlafen. Erholungsphase vielleicht. Die Ruhe vor dem Sturm. Und nun weht bereits ein leichter Wind, verursacht Wellen, die die Krankheit gefährlich nahe ans Ufer treiben. Ich brauche einen Wellenbrecher. Und hoffe gleichzeitig, dass die See stärker ist. Absurd ist das alles. Zu viel für mich. Ich und die Essstörung. Die Essstörung und ich. Ich werde von ihr fortgespült. Hinaus aufs Meer, hinaus ins Verderben. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht kann ich schwimmen. Ich weiss es nicht. Weiss gar nichts mehr. Nein, nur fast. Ich weiss, dass es jemanden gibt, der mir viel bedeutet.

'...Ist da draussen kein Licht
Wolken nehmen dir die Sicht
Auch im Regen
Auch im Regen
Siehst du mich
Wenn dein Boot untergeht
Und du gar nichts mehr verstehst
Auch im Regen
Selbst im Regen
Find' ich dich...'

5.10.08 03:54


.:Hassliebe:.

Ich schaue in den Spiegel, und alles was ich sehe, bist du. Überall nur du, du, du. Allen Platz, der einst mir gehört hat, nimmst du ein. Du fragst nicht, ob es mir recht ist. Du bist einfach da. Gross, zu gross - übermächtig. Du bestimmst meinen Tagesablauf. Weckst mich morgens, drängst mich in die Küche. Ob ich das will? Es interessiert dich nicht. Du zwingst mich, den Kühlschrank zu öffnen. Nein, denke ich. Nein, ich bin stärker. Aber du wischst diesen Gedanken beiseite, als wäre er bloss ein Staubteilchen in der Luft. Unbedeutend. Und dann verliere ich doch wieder gegen dich. Wie immer, wie jeden Tag. Und mittlerweile auch wie jede Nacht. Wahllos stopfe ich mich voll. Ich? Du. Wieder nur du. Befiehlst mir, immer mehr zu nehmen. Ich will nicht noch mehr essen. Wirklich nicht. Ich will das alles nicht. Wünsche mir, mich wieder einmal leer zu fühlen. Oder um es auf den Punkt zu bringen: ich wünsche mir, wieder zu hungern. Ich werde mich leer fühlen, versprichst du mir. Und ich weiss, dass du recht hast. Aber es ist nicht dieselbe Leere. Dennoch ziehe ich sie dem momentan Völlgefühl vor. Alles ist besser, als Nahrung im Magen zu  behalten. Es ist lange her, seit du mich zum letzten Mal hast essen lassen. Denn seit Wochen fresse  ich nur noch. Wie lange soll das noch so weitergehen? Ich weiss es nicht. Frage dich in meiner Verzweiflung nach einer Antwort. Für immer, sagst du. Nein. Nein! Das ertrage ich nicht. Ich kann nicht mehr. Siehst du das nicht? Doch, natürlich. Doch es ist dir egal. Denn hast den unheimlichsten aller Trumpfe im Ärmel; die Wahrheit. Ich brauche dich. Ich liebe dich. Ich hasse dich. Bulimie.

7.10.08 01:25


.:Loslassen:.

Erinnerungen - sie halten mich wach, meist bis um fünf Uhr morgens. Ich kann nicht mehr die Augen schliessen, ohne dass diese Bilder wieder auftauchen. Da hilft auch die erhöhte Dosis Antidepressiva nichts. Meine Seele will nicht loslassen, und ich strenge mich den ganzen Tag über an, das Geschehene trotzdem zu verdrängen. Doch obwohl mir das manchmal sogar gelingt, holt mich alles wieder ein, wenn ich nachts allein im Bett liege und versuche, endlich zu schlafen. Denn nachts habe ich keine Chance, zu entkommen. Dann ist alles da - Bilder, Geräusche und vor allem dieser schreckliche Geruch. Ich fühle mich in den Moment zurückversetzt, die Panik von damals kriecht unter meine Decke, zieht mich aus und lässt mich frieren. Beinahe zitternd vor Angst liege ich dann wach und versucht krampfhaft, an etwas anderes zu denken. Aussichtslos - nachts besteht nicht die Möglichkeit, einen Fressanfall zu haben. Und, so traurig es auch ist, das ist mittlerweile die einzige Chance, um mich abzulenken. Wenn eine andere schwarze Wolke über mich hängt, gelingt es mir auch, mich beim Reiten gedanklich zu befreien. Aber wie soll das in diesem Fall gelingen - schliesslich hängt das Erlebnis unmittelbar mit meinem Pferd zusammen. Mein Pferd - ich hoffe so sehr, dass wenigstens er vergessen konnte. Denn nur kurze Zeit vor mir ging er selbst durch die Hölle. Und niemand weiss, ob er das alles wirklich nicht mehr weiss. Noch nicht einmal ich, die ihn am besten kennt, bin mir da sicher. Was, wenn ihn dieselben Erinnerungen plagen, wenn er nachts versucht, zur Ruhe zu kommen? Zwar glaube ich, dass er mit allem, was geschah, sozusagen abgeschlossen hat [kann man sowas wirklich sagen, wenn man von einem Pferd spricht ? Ich weiss es nicht, trotz der Erfahrung im Umgang mit diesen Tieren, trotz all der Bücher, die ich über ihr Verhalten gelesen habe, bleibt alles bloss Spekulation], aber das ist eigentlich nur das, was ich annehme, weil er sich nicht wirklich verändert hat. Nur, dass unsere Bindung noch inniger geworden ist. Und letztlich ist es einfach das, was ich hoffe, was ich mir für ihn wünsche. Denn wenn es etwas gibt, was mich noch mehr zerstören würde als meine eigenen Erinnerungen und die Tatsache, dass ich nicht vergessen kann, dann ist es der Gedanke, dass mein Pferd leiden könnte. Wenigstens er soll loslassen können.

9.10.08 00:12


.:Neuanfang:.

Morgen fängt die Schule wieder an. Ich werde neue Gesichter sehen, neue Lehrer und neue Schüler. Ich werde wieder lernen müssen, mit Menschen umzugehen. Und ich weiss, dass es mir schwer fallen wird. Denn für diese Situation reichen Masken nicht aus - ich muss mit einer völlig fremden Klassenlehrerin sprechen, sprechen über das, was mein Leben bestimmt; die Essstörung. Warum ich das tun muss? Weil ich nicht weiss, ob ich die Kraft haben werde, jeden Tag zum Unterricht zu erscheinen, weil ich vielleicht irgendwann früher gehen muss, um einen Arzttermin einzuhalten oder zur Therapie zu erscheinen. Und ich will nicht, dass in meinem Semesterzeugnis lauter unentschuldigte Fehlstunden stehen. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als die Wahrheit auszusprechen. Ich habe Bulimie. Drei kleine Worte. Eine einzige, riesengrosse Überwindung. Doch ich habe keine Wahl. Jedenfalls halte ich es für das Beste. Meine Therapeutin ist der gleichen Meinung. Denn ich werde es nicht schaffen, von heute auf morgen mit den Fressattacken aufzuhören. Und ich werde es auch nicht schaffen, jeden Morgen aufzustehen und zur Schule zu gehen. So realistisch muss ich sein - denn wenn ich mir von morgen an alles abverlangen würde, ginge der Schuss nach hinten los. So gut kenne ich mich mittlerweile - es wäre zu viel Druck. Und wie ich darauf reagiere, weiss ich nur zu gut; mit noch mehr Essanfällen und noch mehr Erbrechen, was wiederum zu noch mehr Druck führt, weil dadurch zu gar nichts mehr komme. Es geht also nicht anders - ich muss mir Zeit lassen. Nicht unbegrenzt viel, und ich werde mein Möglichstes tun, um täglich zum Unterricht zu erscheinen. Meine Psychiaterin sagte in der letzten Sitzung, ich solle mich fordern, aber nicht überfordern. Damit hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Wie so oft. Es wird also morgen einen Neuanfang geben. Erstmal nur auf die Schule bezogen. Und dann vielleicht auch, was meine Essstörung betrifft. Aber alles zu seiner Zeit.

20.10.08 21:49





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