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.:Alles von vorne:.

Das neue Jahr ist nun schon zwei Wochen alt. Und vom Datum mal abgesehen, hat sich rein gar nichts geändert. Gut, ich hatte keine Vorsätze, keine besonderen Erwartungen an die neue Jahreszahl. Aber es erschreckt mich dennoch, dass alles so vollkommen monoton weitergeht. Gerade so, als wäre die Zeit irgendwie verloren gegangen. Was soll ich schon grossartig sagen? Ich höre seltsame Musik, bin müde, depressiv, suizidal [mal wieder]. Kurz: am Ende. Und doch geht es noch weiter. Das habe ich am Mittwoch schmerzlich feststellen müssen. Diese Woche hätte ich meine Promotionsprüfungen schreiben müssen. Am Dienstag ging das auch noch gut. Nur Englisch, kein Problem. Am Mittwoch dann Geographie und Geschichte. Erst Geographie. Mir ging es nicht gut. Ich hatte seit Wochen kaum geschlafen [ich schlafe zur Zeit nie mehr als neunzig Minuten pro Nacht - ein neuer Rekord, auf den ich nur zu gerne verzichten würde, aber nicht einmal das Schlafmittel, das ich für die Prüfungswoche verschrieben bekommen habe, hat gewirkt]. Meine Konzentration war im Eimer. Die Aufgaben habe ich nur verschwommen wahrgenommen. Dann wollte ich aufstehen, um die Prüfung abzugeben. Ich weiss nicht einmal mehr, wie viel ich überhaupt ausgefüllt habe, geschweige denn, worum es ging. Irgendwas mit Plattentektonik muss es gewesen sein. Ich habe also die Prüfung auf den Lehrertisch gelegt, ein oder zwei Schritte in Richtung Tür gemacht - und dann weiss ich nichts mehr. Alles war plötzlich schwarz, so wunderbar dunkel. Und ich konnte endlich, endlich schlafen. Oder war ich wach? Träumte ich nur? Realität, wo bist du? Kurz darauf war alles vorbei, ich wurde auf dem Boden des Schulzimmers wieder wach. Worte wie 'total abgenommen...', 'unglaublich dünn geworden...', '...isst nie' und 'oft krank... bleich... Essstörung vielleicht...?' haben mich zurückgeholt ins Jetzt.  Schade, ich hätte so gerne noch weitergeschlafen [angesichts der Übermüdung wäre es mir sogar egal gewesen, dass ich mitten in meiner Klasse auf dem Fussboden lag - das muss man sich mal vorstellen!]. Ich konnte meine Lehrerin jedenfalls gerade noch davon überzeugen, nicht den Krankenwagen zu rufen. Es war dummerweise genau die Lehrerin, die mich vergangene Woche schon angesprochen hatte und mir mit besorgtem Gesicht nahegelegt hat, doch etwas mehr zu essen [sie war so lieb, dass es mich nicht mal gestört hat]. Nun ja. Jedenfalls habe ich mich dann eine Weile hingesetzt, und dann gings mir bald besser. Geschichte habe ich dann aber trotzdem nicht mehr geschrieben. Werde ich auch nicht. Und die restlichen Prüfungen auch nicht. Ich habe mich dazu entschlossen, das Semester zu wiederholen. Durch all die Fehlstunden habe ich so viel Stoff verpasst, dass ich das unmöglich alles wieder aufarbeiten könnte. Es ist also besser so. Meine Mutter ist nicht begeistert, aber immerhin einverstanden [muss sie auch sein, da sie die Schule bezahlt]. Ihr habe nicht erzählt, dass ich zusammengebrochen bin. Ich lüge nicht gerne, aber es ist unnötig, dass sie sich noch mehr Sorgen macht.
Meiner Therapeutin habe ich es mitgeteilt - es lebe die elektronische Post. Sie war erschrocken, hat mir aber auch geschrieben, dass sie sowas in der Richtung befürchtet hat, zumal ich noch mehr abgenommen und in den letzten Wochen wirklich fast gar nicht geschlafen habe. Das allein wäre nicht so dramatisch, wäre da nicht diese verfluchte Bulimie [auch wenn es genau genommen keine Bulimie mehr ist, sondern Anorexia nervosa, purging type]. Ich erbreche alles, was ich zu mir nehme. Wirklich alles - auch drei Schlucke Wasser. Nicht, weil ich mit mittlerweile einbilde, Wasser habe Kalorien, sondern weil mein Körper dermassen kaputt ist, dass ich nichts mehr behalten kann. Das hat zur Folge, dass ich ständig durstig und total dehydriert bin, was mich zusätzlich schwächt. Immer wieder nehme ich mir vor, was sich wohl jede Bulimikerin schon mindestens tausend Mal vorgenommen hat: 'morgen wird alles anders'. Und immer wieder versage ich. Was dann folgt? Selbsthass. Abscheu. Selbstverletzung.
Und Suizidgedanken. Meine Therapeutin will, dass ich zum Arzt gehe. Andernfalls könne sie eine Therapie nicht mehr verantworten, hat sie mir geschrieben. Das allein ist der Grund, warum ich mich nun doch um einen Termin bemühen werde. Ich will sie nicht verlieren. Meine Gesundheit ist mir egal. Ja, ich könnte sterben. Einfach irgendwann tot im Bett liegen [oder mitten auf der Strasse zusammenbrechen]. Und? Es ist mir so egal. Ich kann nicht mehr. Und ich will nicht mehr.
Ob es nun gut oder schlecht ist, dass ich trotzdem muss, sei dahingestellt.

16.1.09 03:44
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


nicki19 / Website (19.1.09 00:35)
ach du, ich hab mir schon gedacht dass das so kommen wird. und du hast es ja glaube ich auch kommen sehen. es tut mir so leid. besonders weil ich gar nix für dich tun kann. die einzige die dir helfen kann bist du selber. und das weisst du wohl auch. mehr schreib ich jetzt nicht dazu, mir gehts selber gerade nicht so gut. bitte geh zum arzt...
hab dich lieb.
nicki

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