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.:Kraftlos und leer:.

Ich sollte für die Geographieprüfung morgen lernen. Ich hätte Zeit dafür. Ich könnte mindestens die Hälfte des zu lernenden Stoffes in dieser Freistunde bearbeiten. Konjunktiv ist etwas Herrliches; ich sollte, hätte, könnte - aber ich schaffe es nicht. Warum? Weil mir die Kraft dazu fehlt. Weil mir die Kraft für nahezu alles fehlt. Ich bin am Ende, leer, ausgebrannt, und das schon nach drei Schulwochen. Ich wehre mich dagegen, es zuzugeben, aber Schule, Intensivtherapie und Reiten überfordern mich. Es ist zu viel, viel zu viel. Wahrscheinlich wäre es zu bewältigen, wenn da nicht diese Essstörung wäre, die so unheimlich viel Platz einnimmt, die mich zwingt, meine Gedanken ständig um Essen oder Nichtessen kreisen zu lassen, die mir keine Zeit lässt, richtig zu lernen, weil ich andauernd damit beschäftigt bin, mich mit irgendwelchen Lebensmitteln in riesigen Mengen vollzustopfen und anschliessend zu erbrechen. Ja, wäre ich nicht so krank, chronisch und akut zugleich, hätte ich bestimmt die Kraft für all das [mal davon abgesehen, dass ich dann ja auch keine Therapie mehr bräuchte]. Ich weiss es, sehe es ein, es ist mir bewusster als je zuvor. Und dennoch bin ich nicht in der Lage, die Krankheit loszulassen. Gestern hatte ich mein drittes Gruppengespräch in der Tagesklinik. Familienstrukturen. Und ich habe zu viel erzählt. Die Therapeutin ist jetzt überzeugt, dass meine Mutter mir nicht gut tut, dass ich, solange ich mit ihr unter einem Dach lebe, niemals eine Chance haben werde, meine Bulimie zumindest einzuschränken. Ich soll mir Gedanken machen, wie es weitergehen könnte. Im Klartext heisst das, ich soll mir eine eigene Wohnung suchen. Ja, gerne - und wer bezahlt das? Mir scheint es, als hätte die gute Frau einfach nicht verstanden, dass es keine Möglichkeit für mich gibt, von zu Hause auszuziehen, solange ich noch zur Schule gehe. Was ich von einer Wohngemeinschaft halte, hat sie mich gefragt. Keine Ahnung. Aber es ist auch unwichtig, denn auch ein Zimmer muss bezahlt werden. Und wir haben dieses Geld nicht. Es reicht gerade so, um am Ende des Monats nicht völlig im Minus zu sein. Das hört sich wahrscheinlich seltsam an wenn man bedenkt, dass ich immerhin eine Privatschule besuche und ein eigenes Pferd habe. Aber das geht alles nur, weil ich noch ein paar Jahre vom Staat unterstützt werde [Waisenrente - mein Vater ist ja seit sechs Jahren tot]. Und wie soll ich denn neben der Schule arbeiten gehen, wenn ich noch ein Pferd versorgen und vor allem eine durchaus nervige Therapie mitmachen muss? Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären: die Therapie. Ich bin erst seit eineinhalb Wochen dort in Behandlung und habe schon absolut keine Lust mehr. Natürlich ist eine Therapie keine Lustfrage, aber sie zehrt dermassen an meinen nicht vorhandenen Kräften, dass ich einfach nicht mehr kann. Ich vermisse meine Psychiaterin [beziehungsweise die Gespräche mit ihr und vor allem die Tatsache, dass sie mich verstanden hat], bräuchte ihre Hilfe in dieser Situation, die man einmal mehr als suizidal bezeichnen muss. Na und? Es geht immer weiter. Ich weiss schon, wie ich es anstellen würde, wo und wann. Ich weiss, wem ich einen Abschiedsbrief schreiben würde und was dieser beinhalten würde. Ich weiss sogar, welches Lied auf meiner Beerdigung gespielt werden soll ['Leave Out All The Rest' von Linkin Park]. Sehr konkret also, aber ich habe auch seit fast fünf Monaten nicht mehr als zwei Stunden pro Nacht geschlafen, da bleibt eine Menge Zeit für solche Gedanken. Und es wären längst nicht mehr nur Gedanken, wenn da nicht ein gewisses, braunweiss geschecktes Pferd wäre, dem ich vor fast sechs Jahren einmal versprochen habe, ihn niemals, wirklich niemals alleine zu lassen. Ich halte nicht viel von Versprechen, wenn man sie mir gegenüber ausspricht, aber wenn ich jemandem etwas verspreche, halte ich es auch ein. Besonders wenn dieser jemand mein Pferd ist, der mich braucht, mir vertraut und mich wahrscheinlich als einziges Lebewesen auf diesem Planeten so tief und ehrlich kennt, wie ich bin. Wie könnte ich ihn da alleine zurücklassen? Nein, niemals. Dennoch sind diese Gedanken eben da, und ich kann nichts tun, damit sie verschwinden. Ich kann nicht mehr. Wirklich nicht. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nicht, ob die Sonne scheint oder ob es regnet [und ich spüre auch keine Auswirkungen von Warm- oder Kaltfronten, um auf meine Geopgraphieprüfung zurückzukommen]. Es ist mir egal. wenn ich morgens aufstehe, weiss ich nicht mehr, welcher Wochentag mich erwartet [was ich allerdings schnell anhand der Schulbücher in meiner Tasche herausfinde - das Gedächtnis funktioniert noch]. Und wenn ich meine Mutter sehe, spüre ich weder Liebe noch Hass, nur ein leichter Schimmer von aufkommender Aggression. Aber selbst wenn sie mich mit ihren Standartsätzen wie 'du musst endlich etwas ändern' oder ' so kann es nicht weitergehen, du machst mich kaputt' nervt, bin ich zu müde, um wirklich wütend zu werden. Mein Gehirn schaltet einfach ab, und je nach dem, ob ich Zeit habe oder nicht, beginne ich zu fressen oder verlasse das Haus. Was für ein Leben! Ich sitze in der Schule, rede, lache, lerne mit meinem Mitschülern und kann mich selbst dabei beobachten, wie ich im Minutentakt nach der passenden Maske suche. Ich finde sie immer. Und das mit einer so hohen Treffsicherheit, dass es mich noch nicht einmal anstrengt. Das nicht. Aber alles andere. Jeder verdammte Atemzug ist mir zu viel. Ich kann nicht mehr. Und ich will auch nicht mehr. Nicht so, und anders auch nicht. Denn wenn ich eines begriffen habe, dann das, dass ich niemals gesund sein werde. Meine Essstörung ist nach neun Jahren chronifiziert, und selbst wenn sie irgendwann nicht mehr so akut sein sollte wie jetzt, dann wird sich daran trotzdem nichts ändern. Dieses Denken ist in mir, ist überall wo ich auch bin und lässt mich nicht mehr los. Und ich halte es nicht mehr aus. Zu viel, zu viel, zu viel. Ich will nicht mehr. Bin kaputt und leer und warte auf den Augenblick, in dem ich einfach zusammebreche. Vielleicht fände ich dann endlich etwas Ruhe.

24.3.09 12:51
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jon (26.3.09 13:15)
Viel zu viel! Das gilt auch für jeden Kommentator! Dass es für dich geradezu "ausserirdisch" beanspruchend ist, erscheint offensichtlich, wie soll da etwas Trost gespendet werden, wo alles schon gesagt ist?
=> Proaktiv!
Statt Schuldzuweisung eine Selbstfrage und damit eine Aufforderung zum Diskurs:
Ist es richtig, dass Sorgen (eigene und fremde) Gift im Heilungsprozess darstellen? Wenn ja, heisst es dann, sich in der Kunst zu üben (man selbst und andere) sich sorgen ohne sich zu sorgen? Kompliziert? Nicht für dich! Was meinst du?
Und - ich liebe dich!

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