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.:Dauerstress und Seelentod:.

Äusserlich mag sich einiges geändert haben, aber im Kern sieht die Situation noch genauso aus wie vor ein paar Tagen, als ich kurz davor war, wirklich Suizid zu begehen. Ich habe meiner ambulanten Therapeutin [nicht die aus der Tagesklinik] geschrieben in dieser Nacht, und ich weiss noch nicht einmal, warum ich es getan habe. Vielleicht, weil ich noch einmal etwas von ihr hören wollte, vielleicht, weil ich ihre Antwort noch lesen wollte und somit die Nacht irgendwie überleben musste, ganz bestimmt nicht, weil ich mir dadurch Hilfe erhofft habe. Denn wer schon einmal in der Situation war, aus dem tiefsten Inneren heraus sterben zu wollen, hofft nicht mehr auf Hilfe. Ein Suizidversuch mag ein Hilfeschrei sein - vollendeter Suizid ist kein Schrei mehr, sondern nur das Satzzeichen am Ende einer Geschichte. Jedenfalls war es in meinem Fall so vorgesehen. Wie dem auch sei, meine Therapeutin hat mir also geantwortet, hat mich gebeten, mich selbst in die Notfallstation der psychiatrischen Universitätsklinik einzuliefern [was ich nicht getan habe, weil ich nicht wollte, dass meine Mutter etwas von meinem Zustand mitkriegt] und mir versprochen, dass sie mit der Therapeutin aus der Tagesklinik Kontakt aufnehmen wird. Das hat sie auch getan. Gestern hatte ich das zweite Einzelgespräch in der Tagesklinik, und was zumindest besser als beim letzten Mal. Die gute Frau war recht überrascht, als meine Psychiaterin ihr erzählte, dass ich akut suizidal sei. Und dann musste sie sich eingestehen, dass sie in den vorangegangenen Therapiestunden [sie ist auch die Gruppentherapeutin für die Essgestörtengruppe, ich sehe sie also drei Mal pro Woche] die Zeichen, die sie im Nachhinein als eindeutig erkannte, übersehen hatte. Ich mache ihr keinen Vorwurf; meine Maske ist inzwischen so perfekt auf mich zugeschnitten, dass niemand [mein Pferd und meine Psychiaterin ausgenommen] sie durchschauen kann, wenn ich es nicht will. Und damit wäre ich beim Kernpunkt angekommen - ich muss wollen. Den Widerspruch in diesem Satz übersehe ich grosszügig. Ich habe also zwei Möglichkeiten: entweder ich mache weiter wie bisher und sterbe wirklich bald, oder ich lasse mich auf den Pakt des Teufels ein, überwinde die tiefste Angst, die ich je empfunden habe und vertraue, vertraue einem fast völlig fremden Menschen [in diesem Fall der Therapeutin] und lasse mir helfen. Wer nun glaubt, diese Entscheidung sei leicht zu fällen, hat in der Tat keine Ahnung davon, wie es ist, an Essstörungen, Depressionen, Selbstverletzung und Suizidgedanken zu leiden. Wobei 'leiden' das falsche Wort ist - ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass ich gar nicht mehr weiss wie es ist, wirklich glücklich, ruhig, entspannt und mit sich zufrieden zu sein. Ich habe vergessen wie es sich fühlt, wenn es einem gut geht. Mir geht es lediglich 'wie immer'. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich muss mich entscheiden, für den sicheren und verfrühten Tod oder für den sicheren Tod. Und es ist nicht leicht, ganz und gar nicht, denn die Kraft um 'ja' zum späteren Sterben zu sagen [ich fühle mich derzeit ausserstande, an so etwas wie ein Leben zu denken], habe ich nicht mehr. Seelisch tot und nur noch funktionierend zwinge ich mich durch die Tage, damit ich sie wenigstens halbwegs sinnvoll nutze und etwas lerne. Nicht, weil ich so wahnsinnig grosse Hoffnungen auf eine tolle Zukunft habe, sondern weil ich, wenn schon, belesen und gebildet sterben will. Und weil die Schule wunderbar von allem anderen ablenkt [wer schon einmal ein lineares Gleichungssystem mit sechs Unbekannten gelöst und anschliessend grafisch dargestellt hat, weiss, wovon ich spreche].

2.4.09 12:30
 


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


nemi (4.4.09 01:10)
Hey Kleines,
es ist traurig und furchtbar zugleich zu lesen, wie es dir geht und wie du dich fühlst.
Ich kenne dieses Gefühl nur all zu gut, das Gefühl einfach nur aufgeben zu wollen, weil es sowieso keinen Sinn hat. Es wird nicht besser und auch nicht anders. Ja, ich kenne es zu gut dieses miese Gefühl.
Wenn ich nur könnte, würde ich all die Last von deinen Schultern auf mich nehmen, damit du endlich anfangen kannst zu leben. Du hast es so sehr verdient, ein schönes Leben zu führen. Eins, das einem so tollen Menschen wie dir ebenwürdig ist.
Ich denk an dich und hab dich lieb *kuß auf stirn geb*

nemi


so-je (8.4.09 00:25)
Bitte melde dich mal bei mir! Mach mir Sorgen.
Hab dich lieb


Blaze / Website (8.4.09 03:41)
Teil 1:

Oh meine Phina...
Ich muss zugeben, dass ich damit überfordert bin...ich hatte nie solche argen Depressionen oder gar Suizidgedanken und ich will diese auch nie haben...
Ich wünschte ich könnte dir irgendwie helfen, aber was soll ich schon tun können...du bist weit weg und ich wüsste auch garnicht, wie ich dir helfen könnte...
Ich fühl mich grad echt hilflos...ich mag dich wirklich sehr und vermisse dich auch arg, aber helfen kann ich dir nicht...
Du hast Recht...nur du kannst das, wenn du es wirklich willst, dich deiner Thera öffnest und deinen Schatten überwindest...
Ich wünsch mir das so sehr, dass du es schaffen kannst!
Wirklich....

Ach, was mich angeht, kennst mich ja! ^^ Ich bin ne kleine (große) Optimistin und dass mit der Uni packe ich dann nächstes Jahr richtig an und bis dahin mache ich dann das Praktikum und such mir ne Wohnung in HH! Ich pack das alles und werde meinen Traum verwirklichen, egal was kommt!

Was diese FA anging...ich denke weniger, dass sich da mein Körper was hollen wollte, was im fehlt.
Klar hab ich während ner Monodiät immer mal Lust auf anderes oder sehne mich nach richtigem Essen, aber das ist es nicht. Dafür mache ich diese DIäten schon zu lange. Ich hab mich dran gewöhnt...


Blaze / Website (8.4.09 03:42)
Ich denke, es war eher emotional bedingt, auch wenn ich in dem Moment damals eigentlich glücklich war...denk ich zumindest...weiss nicht...

Naja, aber zurzeit habe ich die FAs super unter Griff! ^^
Ich schaffes es an den Refeed-Tagen nicht zuviel zu essen, zumindest nicht soviel, dass es in ne FA ausartet. Leider übrtreibe ich es trotzdem ab und an. Ich muss mir da echt mehr Mühe geben, aber ok! Ich schaff das auch noch!

Ansonsten ja...

Ich hoff einfach nur, dass es dir irgendwann besser gehen wird, dass ich keine Angst um dich haben muss...

Bitte melde dich so oft es geht! Warst auch schon länger nicht im Forum...
Wir vermissen dich alle!!

Hab dich sehr sehr lieb meine süße Phina!


[IMG]http://img23.imageshack.us/img23/2462/frphina.jpg[/IMG]


Deine Ivana <3


LiiLöö / Website (8.4.09 08:26)
Wow, danke für dein Eintrag. Echt nett von dir, das du dir meine Seite durchschaust und sie auch liest. Ich kriege selten solch tolle Kommentare. Vielen Dank.
Ja, ich habe euch Angst nacher so zu enden wie manch andere Essgestörte. Ich selber bin auch Essgestört, aber nicht in der Richtung Magersucht, sondern eher in der Richtung Fettsucht. Vielen Dank

Wünsche dir auch viel Erfolg und Glück, und ich bin mir sicher das du es dort rausschafst!

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